Geschichten, Erlebnisse, Reiseberichte und Reisetipps von den letzten Reisen

Reisebericht

Vietnam - bereist: Oktober 2001

Saigon

Saigon ist eine riesige, laute, versmokte und chaotische Stadt. Im Vergleich zu Bangkok, wo diese Attribute auch zutreffen, schneidet sie wesentlich schlechter ab, da es kaum schöne Flecken gibt. In Bangkok gibt es einen wunder-schönen Königspalast und jede Menge Tempel und Buddas zu sehen. In Saigon gibt es nur Häuser und Straßen. Die Tempel, die wir gesehen haben, waren nichts besonderes. Die Bilder zeigen eine der wenigen "Sehenswürdig-keiten" und das typische Stadtbild. Sehenswert war eigentlich nur das Museum der Kriegsverbrechen, in dem per Fotos und Texten dokumentiert wurde, wie die Amis und die Vietkong im Vietnamkrieg gewütet hatten. Dieses Museum erhielt durch die bevorstehenden Angriffe der USA in Afghanistan erschreckende Aktualität.

In Vietnam herrscht ein marktwirtschaflicher Sozialismus. Das zeigt sich dadurch, dass alles, was ebenerdig ist, ein Geschäft ist. Nur beim Thema Marketing müssen sie noch ein wenig dazulernen. So wird bei den meisten Geschäften überhaupt nicht klar, was sie verkaufen oder herstellen wollen. Lustig fanden wir riesige Werbeplakate, auf denen nur eine Telefon-nummer stand... Wer soll wen warum anrufen und wofür? Und vor allem: womit? Wo sich hier wohl kaum jemand ein Telefon leisten kann.

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Mui Ne

Flüchtet man nur 4 Stunden per Bus Richtung Westen, landet man an dem Barcardi-Strand von Mui Ne. Dort sind mittlerweile jede Menge Ressorts gebaut worden, jedoch so gut versteckt zwischen Palmen, dass sie nicht stören. Wir haben nur einheimische Fischer gesehen. Übernachtet haben wir in dem Ressort "Small Garden". Es ist ein Paradies mit 6 schönen, sauberen Bambus-Bungalows zwischen Palmen und Sand, die mit Bad & Fan nur 15$ kosten. Günstiger Essen kann man an den zahlreichen Restos an der Straße. Empfehlenswert ist sich ein Moped zu mieten und nach Phan Thiet und Mui Ne zu fahren, dort besonders zu den Dünen und dem Hafen.

Jeder Bus der Open-Tours hält entweder in Phan Thiet oder in Mui Ne.

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Ca Na

In Ca Na haben wir nur übernachtet, weil es von hier nur 20km bis zur nächsten größeren Stadt sind, die wir erwandern wollten. Durch Zufall haben wir hier den besten Abend des Urlaubs erlebt, als wir von unseren vietnamesischen Nachbarn zu Bier und Garnelen eingeladen wurden. Unsere dürftige Unterhaltung mit den üblichen zwei Fragen wurde wesentlich besser, als der Chef vom Hotel dazu eingeladen wurde, der sehr gut englisch konnte.

Der Knigge von Vietnam schreibt vor, dass der Gast nie unaufgefordert trinkt. Er muss warten, bis der Gastgeber alle Gäste dazu auffordert. Dies geschieht sehr lautstark. Wenn ein Gast unaufgefordert trinkt, dann bedeutet es, dass der Gastgeber unaufmerksam war. Die Pflicht des Gastgebers ist es, dass das Glas und der Teller des Gastes immer gut gefüllt ist. Das tropisch warme Bier wurde mit jeder Menge Eisbrocken im Glas gekühlt; da läuft jedem Deutschen doch ein kalter Schauer über den Rücken...

Vietnamesen sind übrigens nicht sehr trinkfest...

Die Wanderung war die blödeste Idee. Wir haben dabei rund 8 km geschafft bis wir fix und alle waren und den Rest per Bus abgekürzt haben. Die Sonne scheint hier nicht schlecht. Alle 30 Sekunden mussten wir Mopedfahrern, die uns mitnehmen wollten, versuchen klar zu machen, dass wir zu Fuß gehen wollen. Dafür hatten sie ueberhaupt kein Verständnis. Hier geht niemand zu Fuß, wenn er nicht völlig verarmt ist.

Wenn einen gerade keine Mopedfahrer anquatschen, dann winken einem alle Kinder eines Dorfes zu, rufen "Hello" und "What is your name".

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Pham Rang

Ziel der Wanderung war der Strand von Pham Rang "Ninh Chu" und das Hotel dort. Der Strand war äußerst ruhig mit ein paar Vietnamesen, die hier wohl Urlaub machten. Das einzige Hotel in der Gegend war ziemlich schäbbig und schmuddelig. Am nächsten Tag machten wir uns möglichst schnell auf den Weg nach Nha Trang per Trampen und Local Bus.

Nha Trang

Nha Trang ist ein nettes Städtchen, in dem man viel unternehmen kann. Hier ist auch die einzige Gelegenheit zuTauchen in Vietnam. Mit den Tages-Tauch-Bootsfahrten haben aber auch Schnorchler die schöne Gelegenheit abzutauchen.

Einen Morgen wollten wir mal richtig früh aufstehen und den Sonnenaufgang beobachten, aber die Vietnamesen sind unschlagbar. Bereits um kurz nach 5 Uhr morgens ist ein reges Treiben auf den Strassen, alle mit einem Ziel: Den Vorplatz vom Strand. Dort quäken aus einem kleinen Kassettenrekorder, der eigentlich für ein Kinderzimmer gedacht war, seltsamste Laute und Gesänge, zu denen sich die Vietnamesen mit Tai Chi fit für den Tag machen. Direkt nebenan wird Fußball gespielt und die fast bewegungslosen Tai CHi Leute werden umgekegelt.

Bei unserer zweiten eigenen Mopedtour landeten wir in einem kleinen Dorf, in dem Swantje drei nett rumstehenden Kindern unsere letzten Butterkekse angeboten hat, nachdem wir sie fotografiert hatten. Innerhalb 10 Sekunden wussten es alle Kinder im Dorf und nach weiter 2 Sekunden hatten sie Swantje umzingelt mit einem mörderischen Geschrei. Die Fotos dürften gute Werbeplakate für Bahlsen abgeben.

Ein kulinarischer Tipp ist ein thailändisches Restaurant, das auch vietnamesische und italienische Küche serviert. Empfehlenswert sind die Thai-Tische in der oberen Etage. Baan Thai, 19B Biet Thu St.

Unsere Unterkunft war im Hotel Phu Quy, 54 Hung Vuong, wo wir für 15$ ein sehr neues und schickes Zimmer mit AC und Balkon hatten.

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Busfahrt nach Hoi An

Du weisst, dass Du weit weg bist von zu Hause, wenn die Hauptverbindungsstrasse zwischen den beiden groessten Städten größtenteils so aussieht, wie der Zufahrtsweg zu einem Bauernhof.

Nach 500 km Busfahrt, die schlappe 13 Stunden gedauert hat, sind wir in der Touristenmetropole Hoi An angekommen. Auf dem ganzen Weg sind am Rand der Strasse Heuballen aufgetürmt und Reis ausgelegt zum Trocknen. Wir konnten mehr Hühner sehen als Verkehrsschilder und mehr Wasserbüffel als Autos. Man fährt ständig an Reisfeldern vorbei, auf denen Wasserbüffel rumstehen oder Bauern in Handarbeit irgendetwas machen. Umrandet sind die Felder mit Palmen. Sehr hübsch. Das Bild bestimmen mal wieder Mopeds und Fahrräder, auch wenn sie in der Hackordnung wenig auszurichten haben. Die paar wenigen LKWs und die ganzen Busse haben das Recht des Stärkeren. Die Strasse war mit Schlaglöchern übersäht, teilweise wie eine Kraterlandschaft. Ausserdem gab es mehr Baustellen als auf der A1, aber auch da war fast immer wieder Handarbeit angesagt. Einer stocherte mit einer Eisenstange im Boden rum, andere schaufelte die paar Brocken weg.

Die Open-Tour-Buss fahren zweimal täglich. Tagsüber und nachts. Alle die wir trafen, die die Nachtfahrt mitgemacht haben, haben kein Auge zugemacht. Gerade für diese Strecke ist der Zug die bessere Alternative.

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Hoi An

Hoi An ist ein richtig schönes Städtchen mit schönen alten Häusern, Bordsteinen(!), Restaurants und jeder Menge attraktiver Geschäfte. Dadurch, dass es früher das Handelszentrum zwischen Japan und China war, die keine direkten Geschäfte untereinander machen durften, war es wohl eine der reichsten Städte. Und ist es wohl noch immer, weil es viele Touristen anzieht. Zum ersten Mal sehen wir mehr Traveller und Meiers-Reisen-Touristen; bislang waren eine handvoll pro Tag zu sehen.

70% der Geschäfte sind Schneider, die über Nacht Kleider, Anzüge, Hemden, usw. aus Seide oder Baumwolle schneidern. Und das zu Preisen, wo man bei uns noch nicht einmal bei Woolworth auf dem Wühltisch etwas findet. Ein Hemd kostete zwischen 8 und 15$. Außerdem gibt es schönes Kunstgewerbe.

Für 50.000 Dong kann man Tickets kaufen, um sich mehrere alte Häuser anzugucken. Da dieses Geld jedoch direkt an den Staat geht, der davon kaum etwas an die Besitzer der Häuser weitergibt, haben wir uns nur die kostenlosen Häuser und Pagoden angeguckt. Abends kann man die kostenpflichtigen Häuser auch besichtigen, wenn man den Besitzern direkt eine Spende gibt.

Für 5$ haben wir uns ein Moped gemietet und sind zu den Marble Mountains und dem China Beach gefahren. Diese Tour kann man sehr empfehlen. Das Eintrittsgeld ist bei allen Eingängen gleich mit 10.000 Dong. Geschäftstüchtige Marmor-Verkäuferinnen wollten uns den Tipp des billigeren Eingangs verraten, wenn wir unser Moped in ihrem Laden parken und uns danach mal in ihrem Laden umschauen. Es gibt unzählige Marmor-Läden, also kann man sich sein Moped-Parkplatz so aussuchen, dass man nicht bei der lautesten Verkäuferin landet.

Ebenfalls sehr empfehlenswert war eine Bustour nach "My Son", wo mehrere Cham-Türme idyllisch vom Urwald überrankt werden.

Übernachtet haben wir in einem einfachen, aber akzeptablen Hotel für 6$, Seastar, 15 Cua Dai.

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Wolkenpass und Zugfahrt

Mit einem gemieteten Auto sind wir über den Wolkenpass gefahren. Wir dachten, dass es eine gute Idee sei, damit wir mehr sehen können. Allerdings konnte man vom Auto nicht über die bewachsenen Leitplanken gucken. Wenn man darauf achtet, dass der Bus auch Zwischenstops macht, dann sieht man alles interessante.

Das Gebirge zwischen Nord- und Südvietnam ist nicht nur die Wetterscheide, sondern hatte in allen Kriegen erhebliche strategische Bedeutung. Überbleibsel davon sind Bunker mit ziemlichen Einschußlöchern. Nach vielen Kämpfen gibt es einen Sieger: Heute sind die Berge fest in den Händen der Händler.

Mit dem Zug fuhren wir die letzte Etappe bis Hue.

Heute haben Händler die in Kriegszeiten strategisch wichtigen Berge belagert.

Heute haben Händler die in Kriegszeiten strategisch wichtigen Berge belagert.

Die Züge sind sicher vor Vandalismus. Die Holz-Bänke kann man nicht aufschlitzen und die Gitter statt Fensterscheiben kann man weder vollschmieren noch zerkratzen. Die Deutsche Bahn sollte sich das Konzept mal genauer angucken...

Die Züge sind sicher vor Vandalismus. Die Holz-Bänke kann man nicht aufschlitzen und die Gitter statt Fensterscheiben kann man weder vollschmieren noch zerkratzen. Die Deutsche Bahn sollte sich das Konzept mal genauer angucken...

Hue

Hue ist die alte Königsstadt. Da die Könige anscheinend nichts wichtigeres zu tun hatten, als prunkvolle Grabmäler zu bauen, die auch noch die Kriege überstanden haben, gibt es viel schönes altes zu sehen. Die Eintrittspreise sind mit 55.000 Dong (4 €) recht teuer. Deshalb haben wir uns nur zwei Gräber und den Königspalast angesehen.

Das Grab von Tu Duc, der das Gelände schon zu Lebzeiten zur Meditation nutzte, ist sehr schön angelegt mit Teich und einem sehr schönen Holz-Pavilion. Sehr kitschig dagegen, mit bunten Mosaiken in Stahlbeton Gebäuden, war das Grab von Lang Khai Dinh. Dennoch war es sehenswert. Der Königspalast war im Vergleich zu den Gräbern nicht so lohnend.

Nördlich von Hue ist die ehemalige demilitarisierte Zone, die früher der Grenzstreifen zwischen Nord- und Südvietnam war. Hier kann man sehen, was Krieg bedeutet. Eine total zerlöcherte Kirche, Buschhohes Gewächs als Überbleibsel von Urwald nach Agent Orange und Tunnelsysteme, in denen der Vietnamese und der Vietkong Unterschlupf gesucht hat. Das sind die Zeugnisse von jede Menge Kriegen hier in den leztzten Jahrhunderten. Im 4qkm grossen Stadtkern einer Stadt haben die Amis mit der 7fachen Sprengkraft der Hiroschima Bombe keinen Stein auf dem anderen gelassen. Insgesamt ist dies das meist bebombte Gebiet der Welt. Noch vor vier Monaten haben Kinder mit einer Mine gespielt.

Aber die Zeiten ändern sich. Früher hatten die Amis die Feuerkraft eine ganze Stadt platt zu machen, heute hat ein Touristenbus die Kaufkraft ein ganzes Dorf aufzukaufen.

Auf der 13 stündigen Bustour in die demilitarisierte Zone konnte man nur wenig sehen, dafür sehr viel sitzen. Sehenswert waren nur die zerschossene Kirche und das Tunnelsystem "Vinh Moc" bei der Stadt "Vinh Linh (Quang Tri)". Diese kann man sicher auch auf eigene Faust angucken. Der Rest waren Erzählungen, wie es früher aussah. Auch in Vietnam gibt es einen Wiederaufbau, von dem entlaubten Urwald zeugen nur noch grün bewachsene Hänge aus schnell wachsenen Bäumen.

Zerschossene Kirche in der demilitarisierten Zone - Kitschiges Grab von Lang Khai Dinh - Romantisch angelegtes Grab von Tu Duc.Zerschossene Kirche in der demilitarisierten Zone - Kitschiges Grab von Lang Khai Dinh - Romantisch angelegtes Grab von Tu Duc.Zerschossene Kirche in der demilitarisierten Zone - Kitschiges Grab von Lang Khai Dinh - Romantisch angelegtes Grab von Tu Duc.

Zerschossene Kirche in der demilitarisierten Zone - Kitschiges Grab von Lang Khai Dinh - Romantisch angelegtes Grab von Tu Duc.

My Tho im Mekong Delta

Von Hue sind wir zurück nach Saigon geflogen und von dort mit dem Local-Bus nach My Tho im Mekong Delta. Wir mieteten uns ein Boot mit Guide für den nächsten Tag für 10$. Die Bootsfahrt durch die kleinen Seitenarme des Mekongs entlang an Wasser-Palmen war einer der schönsten Tage. Wir waren mit zwei Brüdern unterwegs, die ihr Wohnzimmer mit Cafe in der 44 Huyen Toai haben. Uns wurde viel gezeigt und mit sehr gutem Englisch erklärt.

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