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Typische Tage in Vietnam

Vietnam - bereist: November 2001

Typische Tage in Vietnam

Abenteuer stecken in den ganz alltäglichen Dingen. Die beiden letzten Tage beinhalteten komprimiert all das, was typisch war für die ganze Zeit: Kommunikationsprobleme, verkaufstüchtige Verkäufer und Cyclofahrten, die da enden, wo der Cyclofahrer hinwollte. Deshalb beschreibe ich sie sehr detailiert, denn sie machen den Reiz des Exotischen aus. Es beginnt an unserem vorletzter Abend in Hue, einer touristisch recht erschlossene Stadt in der Mitte Vietnams und an unserem nördlichen Ende der Reise. Am nächsten Tag werden wir zurückfliegen nach Saigon, um von dort am folgenden Tag nach Hause zu fliegen.

Wir kommen aus dem Hotel um Abendessen zu gehen und schon ist der bis dahin in seinem Cyclo dösende Cyclo-Fahrer auf der anderen Straßenseite hellwach. "Hello, where do you go?" schreit er von der anderen Straßenseite. Ein Anlächeln mit Kopfschütteln und Schütteln der Hand deutet er anscheinend so, dass wir ihn nicht verstanden haben müssen, also kommt er auf uns zugerannt mit der gleichen Frage. Die Antwort "Just walking around" ist für ihn unbegreiflich. Wie kann nur jemand, der nicht völlig verarmt ist, zu Fuß gehen wollen? Also bohrt er weiter. Wir wenden uns mit einem "No, thank you" ab und gehen in eine Teestube zwei Häuser weiter.

Spezialitäten, aber nicht für alle...

Im Travel-Guide sind diese Teestuben in dieser Stadt wegen ihrer riesen Auswahl an verschiedenen Variationen Tee empfohlen. Wir sind mal wieder die einzigen Tays (Nicht-Asiaten) und werden von den Vietnamesen mit Getuschel und Lachen gemustert. Auf der englischen(!) Karte suchen wir uns einen Cherry- und Orangentee aus und bekommen nach kurzer Zeit zwei Tassen mit Teebeutel-Tee serviert. Toll...

Die Vietnamesen an den anderen Tischen haben alle ein Schälchen mit Nüssen und neben den Tassen auch jeweils ein Glas mit Strohalm und schaumigen Inhalt vor sich. Auf der Karte finden wir nur 20 verschiedene Teesorten, aber nichts, was auf etwas anderes hindeutet als das wir bestellt haben. Also zeigen wir auf den Nachbartisch, sagen "Glas, same, same" (das heißt bei Vietnamesen und seltsamer Weise auch bei Thailändern "das gleiche") und führen pantomimisch ein Glasheben und Nüsseessen vor. Die Bedienung, die bereits am Anfang klargestellt hatte, dass sie kein Wort Englisch kann, nickt, lacht und verschwindet. Jedoch geschieht weiter nichts, zumindest nicht an unserem Tisch. An den anderen Tischen wird weiter serviert, nur wir bekommen nix. Also noch ein Versuch. Wieder nickt und lacht sie, diesmal jedoch mit einem "Ahhh" und 20 Sekunden später haben wir ebenfalls Nüsse auf dem Tisch, jedoch kein Glas mit irgendwas. Also noch mal: "Glas, same same" mit entsprechender Pantomime und zeigen auf den Nachbartisch. Sie verschwindet, kommt mit einem Glas mit Eiswürfeln zurück und guckt uns fragend an - wir sie auch. Wir haben es fast geschafft...

Eventuell hätten wir eine Teesorte mitbestellen sollen, also zeigen wir auf der Karte auf eine Sorte, die spannend klingt und unter der wir uns nichts vorstellen können. Wieder verschwindet sie. Und wiederum passiert nichts, außer, dass die Nachbartische mit Nachschub versorgt werden. Nach einiger Zeit Warterei geben wir auf und zahlen.

Cyclofahrer überall

Beim Verlassen der Teestube aktiviert sich sofort wieder der Cyclo-Fahrer. Da wir nach Möglichkeit nicht die Lautesten nehmen, ignorieren wir ihn und gehen die Straße weiter. Nach 10 Sekunden ist ein weiterer Cyclo-Fahrer zur Stelle. Wir möchten auf die andere Flussseite in die Haupt-Einkaufsstraße zum Shoppen und Abendessen und zeigen ihm die Stelle auf dem Stadtplan. Eventuell kann er nicht lesen, auf jeden Fall sucht er Hilfe bei zwei in der Nähe stehenden Wasserverkäufern. Mittlerweile ist auch der erste Cyclofahrer in dem Getummel dabei. Nach kurzer Diskussion nickt der Fahrer und fordert 4$. Nach 3 Wochen in Vietnam schätzen wir den realistischen Fahrpreis für zwei Personen für 1km auf 5000 Dong (0,35 €), der Fahrer liegt mit dem zwölffachen also knapp drüber. Diese Forderung finden wir frech und nicht verhandelbar, machen dies mit einem entsprechend geschockten Gesichtsausdruck deutlich, sagen dass wir 5000 Dong erwartet hätten und gehen. Anscheinend ist dies die Art, mit der in dieser touristischen Stadt die Touris ein Erfolgserlebnis haben, wenn sie den Fahrer auf 2$ runtergehandelt hätten und trotzdem noch viel zu viel gezahlt hätten. Sofort kommt der Fahrer hinterher "Ok, 3$".

Gehandelt wird hier bei allem, ausser bei der Post und bei der Bank. Nur macht der "Sport" bei völlig überzogenen Preisen keinen Spaß und bei unsympathischen Geschäftspartnern erst recht nicht. Beides war hier erfüllt, also schalten wir auf "zickig" und ignorieren ihn. "Sorry, Sorry, 10.000 Dong, ok?" Das ist zwar schon realistischer, aber wir sind wie gesagt zickig und ignorieren ihn. Ab da hatten wir einen Schatten... Wir konnten ihn nur abschütteln, indem wir in einen Park gingen. Als wir eine Minuten später an einer anderen Stelle wieder auf die Strasse kamen, waren wir nicht alleine... Sein Angebot lag mit einer Miene tiefsten Bedauerns noch immer bei 10.000 Dong. Wir gucken ihn sauer an und sagen "no, not this way". Dies hat er wohl verstanden und zog ab.

Typische Tage in Vietnam
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An der nächsten Ecke kamen zwei neue und wersentlich sympathischere Cyclofahrer auf uns zu mit denen wir für jeweils 5.000 Dong zu unserem gewünschten Ziel fuhren. Der Komfort zweier Cyclos ist die Investition von zusätzlichen 0,30 € schon wert. Angekommen zahlen wir ihnen 7.000 Dong und alle sind zufrieden.

Der Versuch des Shoppings ist ernüchternd. Es gibt wie immer nur jede Menge Getränke, Kekse und Krimskramsverkäufer. Das Schlendern ist wie immer ein Spallierlauf durch die glotzende oder kichernde Verkäufermenge. Einige springen auf und Messen ihre Größe gegen meine, was höchste Belustigung bei ihren Kollegen hervorruft. Einige fragen mich "hai metr?" (zwei Meter) und ich antwort mit einem lächelnden "hai metr!", was entweder erstaunte oder lachende Gesichter auslöst, entweder durch mein perfektes vietnamesisch oder der Tatsache der zwei Meter. Auch die dauernde Frage bei Allesmögliche-Verkäufern nach "Want buy something?" kann man nicht immer mit einem Lächeln beantworten.

Typische Tage in Vietnam

Bei der Suche nach einem Abendessen stoßen wir nur auf die zahllosen Nudelsuppen-Garstuben. Ein Stand sieht anders und interessant aus und wir setzen uns hin. Jedoch wird hier ein Getränk aus verschiedenen Töpfen zusammengemixt, die teilweise wie Dosenfrüchte, teilweise wie Matsche aussehen.

Da wir Hunger und keinen Durst haben, verabschieden wir uns mit einem Lächeln. Mittlerweile mit großem Hunger, kommen wir an eine Ansammlung von Tischen mit vielen Vietnamesen und keinem einzigen Tay. Wir setzen uns auf die üblichen Mini-Plastik Stühlchen, deren Konstrukteur sicher nie mit einem Gast meines Kalibers gerechnet hat. Es folgt die übliche Musterung durch die anwesenden Vietnamesen. Eine erstaunte ältere Frau kommt auf uns zu und wir bestellen in bestem vietnamesisch "Hai bia", zwei Bier. Diese kommen auch nach kurzer Zeit. Die Essensbestellung wird schwieriger, da es keine Karte gibt. Also zeigen wir auf den Nachbartisch, denen es anscheinend schmeckt, und sagen "Same, same". Sie guckt uns verständnislos an und winkt uns in die "Küche", einem Garwagen unter einem Dach mit Kühlschrank (!) dahinter.

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Besonderheiten von Eis...

Kühlschränke sind selten, meistens werden die Getränke warm und mit jede Menge Eis serviert. Das Eis wird in riesigen Eisblöcken geliefert und bei der Auslieferung hat es reichlich Straßenkontakt und wird auf der Straße zerkleinert (zu sehen auf dem Foto rechts). Immer, wenn mir ein Glas mit Eis hingestellt wurde (wenn unsere Bestellung "Ohne Eis" nicht funktioniert hat oder sich die Bedienung nicht vorstellen konnte, dass wir tatsächlich etwas ohne Eis trinken wollen), also immer wenn ich ein Glas mit Eis sah, kam mir das Bild des auf den Bürgersteig pinkelnden Mädchens in den Kopf, gemeinsam mit dem Bild der über den Bürgersteig geschobenen Eisblöcken... Die Toilette scheint regelmäßig auf der Straße vorgenommen zu werden, vor allem von den männlichen Vietnamesen an Mauern. Deshalb der Tipp: Niemals auf den Boden setzen und schon gar nicht an eine Mauer anlehnen... Deshalb bevorzugten wir Getränke aus Kühlschränken oder genossen die Cola warm.

Bekanntschaften...

Wir stehen also in der Küche, ein freundlicher Vietnamese kommt auf uns zu und fragt "Can I help you?". Wir freuen uns über die verständlichen Worte und sagen ihm, dass wir etwas essen möchten. Er zeigt uns einen Teller, auf dem etwas liegt, das wie Katzenfutter aussieht, das 10.000 Dong (0,75 €) kosten soll. Alternativ schlägt er uns Seafood für 30.000 Dong vor. Wir sind neugierig und bestellen das billige Essen. Er kann nicht verstehen, dass wir das Seafood nicht bevorzugen. Um ihn zu beruhigen sagen wir "Maybe later", das ist eine asiatische Antwort für Nein, da es unhöflich ist "nein" zu sagen. Wir werden an den Tisch des englisch sprechenden Vietnamesen gebeten, der dort mit zwei Freunden saß. Nach ein paar netten Minuten mit Smalltalk (woher, wohin, weshalb) und jede Menge zuprosten kommt das Essen. Das Essen wird serviert mit trockenen Brotfladen (mit der Konsistenz von Chips), Schälchen und Stäbchen dabei. Wir brechen uns etwas Brot ab, legen etwas von dem Essen drauf und beißen zu. Damit war klar, dass es kein Katzenfutter war, denn so scharfes Zeug frisst keine Katze. Unsere Analyse ergibt, dass es sich wohl um Hackfleisch mit jeder Menge Chili handeln muss. Anscheinend haben wir es nicht richtig gegessen. Der Vietnamese schaufelt etwas von dem Essen in ein Schüsselchen, gießt etwas Fischsauce drüber und nimmt einen Teil eines Brotfladens und zerbröselt ihn in das Schälchen. Unweigerlich schießen dir die Zeilen aus dem Travelbook in den Kopf, in denen über das fehlende Hygienebewusstsein der Vietnamesen, insbesondere nach der Toilette, geschrieben wird... Wir ließen es uns schmecken mit der Sicherheit, dass bei der Chili-Ration keine Bakterie eine Überlebenschance hat. Dabei verabschiedeten sich die Vietnamesen. Es war ca. 21:00 Uhr, die Zeit für Vietnam zum Schlafen gehen, da der Tag meistens gegen 5:00 Uhr anfängt. Entsprechend aufregend war das Nachtleben in den Städten, um 22:00 Uhr war alles geschlossen, außer ein paar Touri-Fallen in den sehr wenigen touristisch erschlossenen Städten. Da wir bedauerten, daß sie schon gingen, verabschiedete sich unser Berater mit den Worten, dass er in 5 Minuten wiederkäme...

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Was kam war zwar nicht er, sondern das Seafood. Roh auf einem (Porzellan!)-Teller. Unsere Versuche klar zu machen, dass wir es nicht bestellt hatten schlugen fehl, also freuten wir uns auf die Spezialität für 2,25 €. Zur unserer Beruhigung kam ein kleiner Tischgrill. Also kein Sushi... Mit dem Seafood waren wir satt und hatten noch reichlich vom Katzenfutter übrig. Ein Bettler schlich um die Tische, ein alter Mann mit eingefallenem Gesicht. Davon gibt es recht viele, denn Sozialistischer-Staat hat nichts zu tun mit Sozial-Staat. Der Bettler kam auch an unseren Tisch. Wir gaben ihm 2.000 Dong (0,15 €), die er sehr dankbar annahm. Im Buddismus ist es üblich denjenigen zu geben, die es nötiger haben. Als er verschwunden war, hatte Swantje die Idee, dass wir ihm von unserem Essen anbieten, das eh übrig war. Sie lief hinterher, konnte ihn aber nicht finden. Ein kleines Mädchen von ca. 6 Jahren hat dies wohl verstanden, lief los und kam wenig später mit dem alten Mann zurück. Wir baten ihn an den Tisch, ich holte ein neues Schüsselchen und Stäbchen und wir boten ihm Essen an. Er mümmelte an dem Katzenfutter. Als wir ihm das Brot anboten, zeigte es uns, dass er nur noch einen Zahn hatte, trockenes Brot für ihn also nicht die beste Mahlzeit war. Er mümmelte noch etwas weiter und hörte dann auf. Die Lage wurde etwas peinlich... da saßen wir, die in ihren Augen unermäßlich reich waren, an einem Tisch mit einem alten Mann und der Chefin und dem kleinen Mädchen, ohne jede Chance zu kommunizieren, außer Pantomime und Lächeln. Der alte Mann stand auf, bedankte sich vielmals und bekam nochmals 2000 Dong zugesteckt, worauf er sich noch mehr bedankte. Er hatte tatsächlich ein Lächeln auf dem Gesicht, das sicher bei ihm nicht oft vorkam. Den Rest aß das Mädchen. Als sie fertig war und sich trollte, sahen wir, dass sie eine der vielen Losverkäuferinnen war, sich also auch ihren Lebensunterhalt hart erarbeiten musste. Mit dem Gefühl, mal wieder das Leben nicht verstanden zu haben, verließen wir die Garstube.

Nach ein paar Metern trafen wir den französischen Weltenbummler auf einem Fahrrad wieder, den wir ein paar Tage zuvor ca. 120 km südlich in einem Tempel in "Hoi An" kennen gelernt haben. Wir gingen zusammen in ein Cafe, tranken mixed Fruitshake, klönten, und gingen wieder unserer Wege. In den drei Wochen haben wir Traveller aus ganz Europa, Australien, Amerika und Kanada getroffen. Bei den wenigen Langnasen, die man trifft, wächst Europa und die restliche Langnasen-Welt zusammen. Neuseeland kommt einem vor wie ein Nachbarstaat im Vergleich zu dem völlig exotischen Asien.

Am nächsten Morgen flogen wir zurück nach Saigon bzw. Ho Chi Minh-City. Beim Wakeup-Call vom Hotel um 6:00 Uhr wurden wir zwar vergessen, waren aber dennoch rechtzeitig wach, denn um diese Uhrzeit erwachen nicht nur die Vietnamesen, sondern auch sämtliche Hähne, Enten und Hunde. Im Airport-Shuttle-Bus lernten wir einen australischen Arzt kennen, der austauschsweise in Hanoi im Krankenhaus für zwei Wochen arbeitete und danach eine Woche travellte. Mit einem erfreulich frischen Flieger und nur zwei Stunden Verspätung kamen wir in Saigon gegen 12:00 Uhr an. Unser Plan war, dass wir mit einem Boot ins Mekong-Delta fahren, einer Landschaft aus Palmen und Mangroven zwischen dem weit verästeltem Mekong-Fluß und dort über Nacht bleiben. Am Flughafen nutzten wir die Chance zum Einlösen von Traveller Checks, denn sowas war selten. Geldautomaten sollte es angeblich in ganz Vietnam drei Stück geben, wir haben aber keinen einzigen gefunden. Außerdem mussten wir unsere Rückflüge bestätigen. Da telefonieren auf vietnamesisch nicht unsere Stärke war, wollten wir es persönlich machen. Als wir aus dem Flughafen rauskamen, fragte uns direkt jemand, in welches Hotel wir wollten. Das Spiel kannten wir vom Hinflug. Ich antwortete "Grand Hotel" und er bot mir an, dass er uns für 10$ ein Taxi besorgen würde. Ich antwortete, dass wir ein Taxi mit Taximeter nehmen möchten. Daraufhin ging sein Angebot auf 5$ runter, was angeblich viel billiger wäre als das Taximeter.

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Verkehrsgewusel mit nur einer Verkehrsregel: jeder hat Vorfahrt

Nachdem wir ihm und den darauffolgenden 10 Taxifahrern entkommen waren, fanden wir das Büro von Malaysia Airways. Wir klopften an und unterbrachen einen Vietnamesen beim Zeitung lesen. Er machte den Anschein, dass er durch uns zum ersten mal an diesem Tag Abwechselung hatte und war sehr hilfsbereit. Sein Büro war auf Deutschland-Temperaturen runtergekühlt. Die Kälte eines Büros scheint ein Statussymbol zu sein. In den Banken liefen die Leute teilweise mit Pullovern und Schniefnase rum. Wieder draußen ließen wir den ersten Taxifahrer, der uns ansprach, gewinnen und stiegen in sein Taxi mit Taxameter. Da nach unserem Travel-Guide alle Fähren bereits abgefahren waren, blieb uns nur der Tipp, dass ab einer bestimmten Adresse täglich Transportboote ins Mekong-Delta ablegen würden. Die Taxifahrt dahin war wieder wie ein Film. Dieses Verkehrchaos, von dem man durch Scheiben und Klimaanlage schalldicht und luftdicht abgeschottet war, sah so unwirklich aus. Den Verkehrsfluss kann man nur beschreiben mit "Kreuz und Quer". Die vielen Zentimetern Knautschzone des Taxis erzeugten eine angenehme Gelassenheit, denn die Armada aus Mopeds und Cyclos um uns herum, von denen ständig mehrere in unmittelbarer Nähe auf direktem Kollisionskurs waren, bedeuteten keine Gefahr. Im allerletzten Moment wichen sie aus. Das Foto ist übrigens aus dem Seitenfenster fotografiert.

Im Gegensatz dazu steigerten die Fahrten in einem Cyclo den Adrenalinspiegel auf Achterbahn Konzentrationen, bei denen man hoffnungslos den Mächten der Straße und des Fahrers ausgeliefert und mittendrin im Geschehen war. Der Kick war, wenn sein Cyclo auf eine Kreuzung zufuhr, die eigene Ampel rot zeigte und man ungebremst einfach mitten in den dichten Querverkehr aus Mopeds fuhr, wo kaum Platz für einen Fußgänger war. Cyclos haben keine Hupe, der Schlachtruf des Fahrers war passender weise "Uiuiuiuiui...". Wenn die Lage absolut hoffnungslos schien und man mit seinem Leben gerade abschloss, öffnete sich wie von Geisterhand eine kleine Spalte im Verkehr, in die sein Cyclo gerade so reinpasste. Es muss Magie sein, oder es lag daran, dass alle Fahrzeuge recht langsam dahinflossen mit 20-30 km/h. Alle Fahrten verliefen ohne Vollbremsung, ohne Kollision und ohne ruckartigen Lenkungen.

Gestrandet in Saigon...

Nun waren wir wieder mitten in Saigon, einer riesigen, lauten, versmokten und chaotischen Stadt. Im Vergleich zu Bangkok, wo diese Attribute auch zutreffen, schneidet sie wesentlich schlechter ab, da es keine schönen Flecken gibt. In Bangkok gibt es einen wunderschönen Königspalast und jede Menge Tempel und Buddas zu sehen. In Saigon gibt es nur Häuser und Straßen. Die Tempel, die wir gesehen haben, waren nichts besonderes. Die Bilder unten zeigen eine der wenigen "Sehenswürdigkeiten" und das typische Stadtbild. Sehenswert war eigentlich nur das Museum der Kriegsverbrechen, in dem per Fotos und Textes dokumentiert wurde, wie die Amis und die Vietkong im Vietnamkrieg gewütet hatten. Dieses Museum erhielt durch die bevorstehenden Angriffe der USA in Afghanistan erschreckende Aktualität.

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Der einzige Gedanke war, dass wir möglichst schnell hier raus und ins schöne Mekong-Delta kommen. Wir kamen an der Adresse an, die im Travel-Guide als Ausgangspunkt für die Transportboote angegeben war. Wir sahen zwar nur eine Tankstelle, aber irgendwo wird schon etwas sein. 63.000 Dong (4,50 €) standen auf dem Taximeter. Der Fahrer wollte 70.000 haben, er sagte irgendetwas von "Ticket". Wir zeigten ihm freundlich den Aufkleber, das auf dem Armaturenbrett klebte "Zahlen Sie nur den Betrag, der auf dem Taximeter erscheint". Damit akzeptierte er die 63.000 Dong und hatte sich sein Trinkgeld verspielt. Wir liefen etwas umher und fanden einen Hinterhof, an dessen einer Seite mehrere Boote festgemacht waren. Ein zugedröhnter Vietnamese kam auf uns zu. Richtig gerade aus gucken konnte er zumindest nicht. Wir fragten nach der Stadt, zu der wir wollten "My Tho". Er nickte und forderte 6$. Wir lachten und sagten ihm, dass wir maximal 3$ zahlen würden. Bei der Frage, wann das Boot fährt, nickte er. Bei der Frage "Today?" nickte er. Nach der Frage "At what time" antworte er "morning", also wohl morgen früh... Der Typ stand anscheinend unter einer Droge, die das Zeitgefühl beeinträchtigte. Die Diskussion mit ihm war nicht besonders lustig und wir machten uns aus dem Staub, denn 3 Wochen Vietnam haben uns gelehrt, dass dort, wo etwas angeboten wird, es auch immer mindestens 10 andere gibt. Dies haben wir nie verstanden. Man kann ewig nach Obst suchen und dann auf einmal 5 Stände nebeneinander finden. Nur Getränkeverkäufer gibt es alle 3 Meter, die durch Rufe auf sich aufmerksam machen. An Stellen, wo man keinen Stand aufbauen kann, z.B. an einem Wasserfall mit Geröll, werden einem die Getränke gekühlt zum gleichen Preis hinterhergeschleppt.

Laß uns mal eben ins Mekonkdelta fahren...

Wir gingen also aus dem Hinterhof auf die Straße. Sofort hielt ein Moped mit der Frage "Where do you go?". Wir antworteten mit dem Namen der Stadt "My Tho", darauf er: "No boat today, tomorrow! Can go by bus!". Wir hatten es fast befürchtet. Damit trag Plan B in Kraft: Versuch in der Traveler-Szene von Saigon eine Möglichkeit zu finden, wie wir nach My Tho kamen. Sein Angebot, dass er uns und unser Gepäck auf seinem Moped dorthin brachte war mit unserem Sicherheitsbewusstsein nicht vereinbar, ebenso wenig auf zwei Mopeds, welches er bereits rangerufen hatte. Wir sagten ihm, dass wir mit zwei Cyclo fahren wollten. Nach dem fünften Mal, bei dem wir bereits 100m weitergelaufen waren, akzeptierte er dies, brauste los und kam mit zwei Cyclofahrern wieder.

Wir fuhren in die Traveler-Szene, die wie in Bangkok aus Billig-Hotels, Guesthäusern, Shops und jede Menge "Reisebüros" bestanden. Die Tourverkäufer waren immer in Cafes integriert, so dass unser Mittagessen mit Fruitshake und Fruitsalad gesichert war. Unsere Erkundigungen nach einer Chance, noch heute mit dem Boot nach My Tho zu kommen, blieben erfolglos. Mit der Befürchtung, bis zum Abflug in 27 Stunden in dieser Stadt zu bleiben, schoss die Laune auf den Nullpunkt. Die einzige Chance war, dass wir mit dem Local-Bus runterfuhren, morgen früh eine Bootstour vor Ort selber organisierten und mit dem Local-Bus morgen Mittag zum Flughafen fuhren. Eine Tourverkäuferin, die einsah, dass sie uns für die nächsten 27 Stunden nichts mehr verkaufen konnte, erklärte uns, wo die Local-Busse losfuhren. Ich rannte noch los, um eine Buchverkäuferin zu finden, bei der ich für 11$ Copy-Books (das heißt wie Bücher gebundene Fotokopien) der LonelyPlanet Reiseführer von Kambodscha und Laos und ein weiteres Buch über Desaster-Stories von LonelyPlanet Autoren kaufte. Mit dem Taxi ging es zum Local-Busbahnhof.

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Der Taxifahrer fragte nach dem richtigen Bus, hielt direkt davor und wir und unser Gepäck wurden auf der Rückbank verstaut. In der einen Ecke der Rückbank saß bereits ein etwas verkrüppelter Vietnamese, der mit unseren Rucksäcken völlig von der Außenwelt abgeschnitten wurde. Aus unbegreiflichen Gründen durfte unser Gepäck im Bus und nicht auf dem Dach mitfahren. Es gibt für Busse keine Fahrpläne. Sie fahren dann los, wenn sie voll sind und sammeln dann während der Fahrt noch weitere Leute vom Straßenrand auf. Dafür macht der "Schaffner" lautstark Werbung. Er hängt halb aus dem Bus heraus und fragt jeden potentiellen Mitfahrer, also jeden der zu Fuß ging. Entsprechend waren wir in eine Ecke gefaltet und nahmen mit unseren beiden Rucksäcken wohl den Platz von 6 Vietnamesen ein. Zwischen 5 Verkäufern von Brot, 3 Verkäufern von Kaugummi und einer Verkäuferin von dubiosen Eiern kam auch der Schaffner. Wir hatten uns auf ein hartes Feilschen vorbereitet und waren mit dem geforderten Preis von 9.000 Dong (0,60 €) für die 70km sofort einverstanden. Unsere Verhandlungsposition war eh nicht besonders gut, unsere Beine und das Gepäck waren eingekeilt zwischen den Stangen und Sitzen, bewegen konnten wir uns kaum, geschweige denn den Bus zu verlassen. Nach einiger Zeit und dem Ablehnen von tausenden Verkaufsangeboten von diversen Dingen brauste der Bus los. Durch die Ritzen in den Holzplanken des Bodens sah man die Straße vorbeiflitzen.

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Obwohl es keine Fahrpläne gibt, jagt der Bus los, als wenn er 10 Stunden Verspätung aufholen müsste. Gebremst wird für nichts und niemand, es sei denn, dass es größer ist als ein Bus.Alles andere wird weggehupt. Anscheinend wollen sie ankommen, bevor die Vehikel komplett auseinander fallen. Auf einer Fahrt sieht man reichlich Busse und LKW´s am Straßenrand, wo irgendwas gefrickelt wird, meistens werden Räder ausgetauscht. Unser Bus hielt nur einmal und der Schaffner nahm ein Holzscheit. Danach hörten wir hämmernde Geräusche von unter uns und schon ging die Fahrt weiter. Lesen war kaum möglich, da der Fahrer auch auf guten Straßen genügend Schlaglöcher findet, die dir, mit Höchstgeschwindigkeit durchfahren, das Buch fast aus der Hand schlagen. Wir überholten einen Pickup, in dem in einer Hängematte jemand lag und mehrere Leute um ihn herumsaßen. Sagte der Travel-Guide nicht, dass es ein Krankentransport und Notfallsystem nur innerhalb großer Städte gab? Dann war dies wohl ein privat organisierter Krankentransport.

Von selbsternannten Reiseführern und Hotel-Auswahl-Consultants...

Angekommen in My Tho wurden wir von einer Meute von Cyclo- und Mopedfahrern umzingelt. Wir zeigten den Namen des Hotels, in das wir wollten. Laut Travel-Guide waren es 3km bis dort. Ihre Preisvorstellung lag bei 20.000 Dong pro Cyclo. Unser Angebot von 10.000 (0,75 €) Dong akzeptierten sie sofort, was nur bedeuten konnte, dass es noch immer viel zu teuer war und wir ihnen ein Vermögen angeboten hatten. Sie freuten sich wohl schon auf die Provision des Hotels. Kaum losgefahren wurden wir eskortiert von einem Moped. Er fing an mit Smalltalk, was nur bedeuten konnte, dass er etwas verkaufen wollte. Er fragte in sehr gutem Englisch nach unserem Hotel und sagte uns, dass er ein schöneres für den gleichen Preis kenne. Das einzigst schönere ist sicherlich die Provision, die dieses Hotel zahlt. Wir blieben bei unserem Hotel. Außerdem bot er uns eine Bootsfahrt für den nächsten morgen an. Wir hielten an einem Hotel und mussten feststellen, dass es ein anderes als unser gewünschtes war. Nach ein wenig Diskussion setzte sich unser Konvoi aus zwei Cyclos und einem Moped wieder in Gang. Wir kamen an dem Hotel an, dessen Name wir gesagt hatten, und standen vor einer Bruchbude. Da der äußere Anschein ja trügen kann, wollte ich mir trotzdem ein Zimmer angucken. Es sollte 6$ kosten. Mir wurde der Schlüssel in die Hand gedrückt und ich musste mir alleine den Weg in die dritte Etage suchen durch ein Treppenhaus, das sicher einsturzgefährdet war. Als ich das Vorhängeschloss öffnete und den Raum betrat, konnte ich nur lachen, mir jedoch nicht vorstellen in diesem Raum zu schlafen. An den Wänden war soviel Putz abgeblättert, dass es fast schon wieder regelmäßig aussah. Immerhin hatten die Betten weiße und anscheinend saubere Bettlaken. Bunte Bettlaken in manchen Hotels verschleierten die Anzahl der Flecken und damit die Abschätzung, wann das Bettlaken wohl zuletzt gewechselt wurde. Für diese Fälle hatten wir unsere Schlafsäcke mit. Ich gab den Schlüssel dankend wieder ab und wir fuhren zu dem ersten Hotel zurück, das mit 7$ zwar auch renovierungsbedürftig, aber akzeptabel war.

Typische Tage in Vietnam

Der Mopedfahrer wollte uns ja eigentlich seine Bootstour andrehen. Wir gingen mit ihm zum Hafen, wo er uns sein Boot zeigte und uns morgen für 16$ fünf Stunden durch die Gegend schippern wollte. Im Travel-Guide stand etwas von 10$ für ein Boot, unsere Handelsversuche landeten bei 15$, da er angeblich eine Versicherung hätte. Soso... Wir sagte ihm, dass wir es uns überlegen würden und ihm in 1-2 Stunden Bescheid geben würden. Wir wollten in der Zwischenzeit etwas Essen gehen und an unserem letzten Abend noch ein Paar Souvenirs kaufen, wie Besen, Ingwer, Fischsauce und Kekse. Also bummelten wir los. In einem Krimskrams-Geschäft fragten wir nach Besen, die es dort aber nicht gab. Als wir auf die Straße zurückkamen, empfing uns der Bootsmensch mit der Frage, was wir denn suchen würden und wollte uns ein Besen-Fachgeschäft zeigen. Wir sagten ihm, dass wir nur bummeln wollen und in 1-2 Stunden ihn an seinem Boot wieder aufsuchen. Wir bummelten weiter. Wir suchten nach zwei Restos, die im Travel-Guide empfohlen wurde und die auch Bootstouren organisieren konnten. Dies rief ein paar Minuten später unseren Bootsmann wieder auf den Plan, der uns fragte, ob er uns ein Restaurant zeigen sollte. Wir hatten einen Schatten, der anscheinend auch noch Gedanken lesen konnte. Mit der gleichen Antwort wie eben gingen wir weiter. Beim Bummeln kamen wir an einem Hotel vorbei mit dem gleichen Namen wie das, wo wir eigentlich hin wollten. Diesmal aber keine Bruchbude, sondern es sah OK aus. Wir sind also mal wieder auf die marktwirtschaftliche Besonderheit von Vietnam reingefallen, dass in Reiseführern als gut beschriebene Dinge es meistens mehr als einmal gibt...

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Besonders lustig war dies in Nha Trang zu sehen, wo es zwei "Banana Split Cafes" direkt nebeneinander gab (auf dem Foto zu sehen). Jeder behauptet, dass er das original ist. Da uns seltsamerweise kein anderer Bootsfahrer angesprochen hatte und wir keine anderen Traveller getroffen hatten, beschlossen wir, bei unserem neuen Freund zu buchen, auch wenn er nervig war. Nach ein paar Metern stand unser neuer Freund schon wieder neben uns. Swantje wurde über die Observierung sauer und ging weiter, ich erklärte ihm, dass es keine gute Idee wäre uns zu beschatten und wir jetzt wohl nicht mehr bei ihm buchen würden. Er sagte uns bedröppelt, in welcher Richtung Restaurants sind und düste davon. Wir gingen weiter und wurden prompt angesprochen, ob wir eine Bootstour suchen. Wir bejahten und wurden mitgeschleppt in ein kleines Cafe, in dem seine gesamte Familie saß. Er zeigte uns bei ein paar Tassen Tee Polaroidfotos von lachenden Europäern, die mit ihm die Tour gemacht hatten. Er wollte 10$ für die 5 Stunden und wir akzeptierten. Er war sehr sympathisch und konnte gut englisch. Wir verabredeten uns für 7:00 Uhr morgens, da wir ja noch bis Saigon mussten und nach Hause fliegen wollten.

Nun hatten wir ein Boot, es fehlte nur noch etwas zu Essen. Nach einem langen Fußmarsch und der Hilfe von Cyclofahrern fanden wir etwas außerhalb eine Garstube, die Fisch und Reis zu bieten hatte, nicht nur Nudelsuppe. Als wir fertig waren, kam unser erster Bootsanbieter schon wieder vorbei. Das konnte doch nicht wahr sein. Wir sagten ihm, dass wir woanders gebucht haben, da uns diese Observierung ziemlich genervt hatte. Stinkesauer zog er ab. Wir mümmelten gerade als Nachspeise ein paar Bananen, da kam ein Kind vorbei und wollte Lose verkaufen. Das passierte pro Tag ungefähr 20 mal, der andere Verkaufsschlager waren Postkarten, im Zeitalter von eMails eine aussterbende Branche. Wir schenkten ihm einen Stift, mit dem er fröhlich abzog. Jedoch um eine Minute später mit 5 Kumpels aufzutauchen. Da wir keine 5 Stifte hatten, versuchten wir sie mit Lächeln und Kopfschütteln los zu werden. Wir zahlten und gingen, da wir unseren letzten Abend noch gemütlich in einem Cafe beenden wollten. Die Kinder folgten uns. Wir setzten uns in ein Cafe, bestellten etwas zu trinken und wurden nach einiger Zeit tatsächlich alle Kinder los, bis auf einen ca. 5 jährigen, der die ganze Zeit neben Swantje mit offener Hand stehen blieb. Was soll man da bloß machen... Wir versuchten es mit ignorieren. Älteren Bettlern gaben wir ja gerne, denn sie haben es wohl nötig und bekommen auch von der Bevölkerung Spenden. Aber Kinder sollten nicht lernen, dass sie durch betteln mehr Geld verdienen könne als ihre Eltern durch Arbeiten.

Typische Tage in Vietnam

Norwegen und Vietnam haben etwas gemeinsam: Die Abendbeschäftigung der Jugendlichen. In Norwegen fahren sie in manchen Städten mit Autos, meistens Oldtimern, im Kreis herum, hier mit Mopeds. Auf dem Foto versucht Swantje eine Straße zu überqueren. Duch den niemals unterbrochenen Strom aus Mopeds kann man nur langsam und kontinuierlich "durchwaten". Darauf eingestellt sind die Cafes, die direkt an der Straße angrenzen und die Stühle direkt auf die Strasse gerichtet haben, wie Kinoreihen. Als wir um 21:30 die letzten Gäste waren, machten wir uns auf den Heimweg. Angekommen im Hotel standen 4 Vietnamesen an der Rezeption. Nach ein bisschen Diskussion über Körpergrößen, baten wir um einen Wake-up für 6:00 Uhr, das uns zugesichert wurde. Unser geplanter Tagesablauf für den letzten Tag sah so aus:
7:00 Uhr Boottour
12:00 Uhr am Busbahnhof in My Tho
14:00 Uhr Ankunft Busbahnhof Saigon dort etwas Essen
15:00 Uhr Ankunft im Flughafen mit einem Taxi
16:30 Uhr Boarding für den Flug nach Kulua Lumpur.

Dies war eine sehr optimistische Planung für den Tag des Rückfluges...

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Bootstour durch das Mekongdelta...

Der Wake-up hat natürlich nicht funktioniert, aber wir waren eh wach. Wir hatten schlecht geschlafen, da der Monsun die ganze Nacht richtig gewütet hatte. Um 7:00 trafen wir uns mit dem Bootsmann und seinem Bruder, für die 10$ hatten wir sogar einen Steuermann, einen Unterhalter und ein Boot gemietet. Die Bootstour durch die kleinen Kanäle des Mekongs war wunderschön. Der Vietnamese hat uns viel in der Natur gezeigt und erklärt und sonst viele Späße gemacht. Diesen perfekten Vormittag bezahlten wir mit 15$, damit beide Seiten auch richtig zufrieden waren. Außerdem schenkten wir unserem Steuermann für seinen Sohn noch die restlichen Buntstifte, Schulhefte und Luftballons, worüber er sich riesig freute. Mit Cyclo und Moped (es war zum ersten Mal nur ein Cyclo aufzutreiben) kamen wir um 12:30 am Busbahnhof an und kletterten in einen fast leeren Bus. Nur Verkäufer von allerlei gab es reichlich. Langsam füllte sich der Bus und wir fuhren um 13:15 los. Unser Zeitplan hinkte also ein wenig. Als ich sah, wie mein Rucksack in eine Ecke gewuchtet wurde kam mir in den Kopf, ob man wirklich die Flasche mit Fischsauce als Souvenir kaufen musste und ob sie sich tatsächlich noch immer geschützt mitten im Rucksack befindet. Als Nachbarn während der Reise hatten wir zwei Hühner in einem Einkaufskorb zu unseren Füßen. Um 15:00 Uhr kamen wir am Busbahnhof im Armenviertel in Saigon an und der Bus hielt direkt neben dem Parkplatz der ganzen Cyclos.

Typische Tage in Vietnam

Entschuldigen Sie... wie kommen wir bitte zum Flughafen?

Kaum hatten wir die Nase aus dem Bus gesteckt, waren wir schon wieder umzingelt von Cyclo Fahrern. Wir sagten ihnen, dass wir ein Taxi haben möchten zum Flughafen, darauf versuchten sie uns zu überzeugen, dass ein Cyclo das gleiche wäre wie ein Taxi. Die Augen zur Seite, um nicht in irgendeinem Cyclo zu landen, nach oben, um nicht von Fahrrädern oder Kisten erschlagen zu werden, die in Windeseile vom Busdach geladen wurden und nach unten, um nicht über irgendwelche Säcke oder Kisten zu stolpern, sammelten wir unseren Kram ein. Swantje bewachte unsere Rucksäcke und ich ging auf die Jagd nach einem Taxi. Kaum war ich den Cyclofahrern entkommen, stürmten lauter Mopedfahrer auf mich zu, die ebenfalls keine Vorteile für 10 km mit vollem Gepäck in einem Taxi sahen. Ich schaffte es bis auf die Straße. Dort war von einem Taxi keine Spur. Ein netter Uniformierter, der für die Sicherheit am Busbahnhof zuständig war, sprach mich mit guten Englisch an, ob er mir helfen könne. Ich fragte nach einem Taxi und er sagte mir, dass ich telefonisch ein Taxi rufen sollte, ein Telefon gäbe es im Busbahnhof. Ich fand eine Telefonzelle und direkt daneben einen schläfrigen Uniformierten in der Ecke sitzen mit einem Telefon auf seinem Tisch. Ich bat ihn, ein Taxi zu rufen. Er gaffte mich ohne Reaktion an. Ich schrieb das Wort "Taxi" auf und lächelte ihn an. Das hat er verstanden, und schob mir das Telefon zu. Da Telefonieren auf vietnamesisch durch Pantomime und Wörteraufschreiben nicht lösbar ist, bat ich ihn durch Zeigen, dass er anruft. Das tat er, plapperte ins Telefon und verlangte 2.000 Dong (0,15 €). Ich gab ihm meinen letzten 1000 Dong Schein und die letzten beiden Kugelschreiber. Damit war er zufrieden. Ich ging zurück zur Einfahrt in den Busbahnhof, um auf das Taxi zu warten. Die Mopedfahrer witterten ihre zweite Chance. Der nette Uniformierte kam auf mich zu. Ich erklärte ihm, dass wahrscheinlich ein Taxi bestellt worden ist, wir diskutierten ein bisschen über Körpergrößen, guckten zwei Gänsen zu, die durch das Verkehrschaos liefen und wieder eingefangen wurden und warteten.

Das Taxi kam, wir sammelten Swantje, die sich ebenfalls von allen Cyclofahrern befreien konnte, und die Backpacks ein. Die letzte Taxifahrt begann, diesmal mit einem Fahrer, der wie ein Anfänger fuhr. Bei jedem Anhalten würgte er den Motor ab und wirkte in dem Verkehrsgetümmel sehr mutlos. Mir kamen die Gedanken, ob man ihm ein ordentliches Trinkgeld geben sollte unter der Voraussetzung, dass er sie in Fahrstunden investieren sollte... In diesem Taxi stand neben dem Schild, dass man nur den Taximeterpreis zahlen sollte auch ein Schild, dass der Fahrgast auch alle Mautgebüren bezahlen solle. Hatte der letzte Taxifahrer evtl. zu Recht 7.000 Dong gefordert? Mit insgesamt 26kg Gepäck sind wir hingefahren, mit 37kg kamen wir zurück. Das Zusatzgewicht kam sicher hauptsächlich aus mitgebrachtem Schmutz, aber auch ein paar Dinge haben wir gefunden, die nett zum Einkaufen waren: Copy-Books von Lonely Planet für die nächsten Ziele, maßgeschneiderte Sachen aus Hoi An (5 Hemden, 1 Kleid, 2 Tops, Satin-Bettwäsche und Bademäntel) und Rucksäcke (wahrscheinlich sogar Originale von Jack Wolfskin). Bei der Suche nach einem Organizer von Palm haben wir maximal einfachste Taschenrechner gefunden.

Nach einer halben Stunde Anstehen war die sozialistische Ordnung durch mehrere Stempel, Unterschriften und Kreuzchen wieder hergestellt und unsere Ausreise war amtlich möglich. Bei der Zwischenlandung in Kuala Lumpur (Malaysien) führte die Ansage bei der Landung, dass die Einfuhr von Rauschgift automatisch die Todesstrafe nach sich zieht, eventuell bei einigen Panik aus.

Die schönsten Erinnerungen...

Den Flug-Schlaf konnten wir mit Erinnerungen an die schönsten Momente versüßen: Obstsalat oder Fruitshake genießen, Wasserbüffel beim Baden zusehen, Bootstour durch das Mekong Delta, Sitzen im hölzernen Meditations-Pavilion im Grabmahl des Königs Tu Duc mit Blick auf einen See, Tauchtour mit den Rainbow Divers in Nha Trang, mit dem Moped durch die Gegend düsen, Barcadi-Strand von Mui Ne, Raubtierfütterung von 20 Kindern mit Butterkeksen, Lächeln aus Kilometer tiefen dunklen Augen. Und uns wieder auf die wieder neu geschätzten Errungenschaften in Deutschland freuen: Preisschilder, Fahrpläne und Salat. Die schönsten Orte sind in unserem Reisebericht beschrieben.

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