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Ziegenmilch bei Beduinen - letztes Highlight im Oman

Oman, Naher Osten - bereist: April 2015

Hütte einer Beduinenfamilie
Hütte einer Beduinenfamilie

Eigentlich dachte ich, dass es das nun war und ich einfach heim fahre und fliege.

Aber Oman pack noch ein Highlight aus.

Im Camp wird eine Wüstensafari angeboten. Ein Beduine fährt voraus, ich hinterher.

Wer mal richtig viel Spaß haben will bei ausbuddeln vom steckengebliebenen Auto aus dem Sand, der sollte einen Jeep ausleihen. In der ersten Stunde bin ich 15 Minuten gefahren und wir haben 45 Minuten gebuddelt und mich zweimal mit einem markerschütterndem Ruck rausgezogen. Land Cruiser sind die Waffe der Wahl. Mein kleiner Jeep ist eher ein netter Straßenflitzer.

Für die zweite gebuchte Stunde habe ich das Buddeln leid und will lieber Beifahrer beim Beduinen werden. eine goldrichtige Entscheidung. Achterbahn im Auto. 45 Grad Schräglage, gefühlt senkrecht runter. Geil.

Er fragt mich, ob wir Beduinen besuchen wollen zuhause. Ich rechne mit einer schlechten Touribespaßung. Aber nein!

Achmed, mein fahrender Beduine, lädt mich zu seiner Familie ein.

Wir nähern uns einer einfachen Hütte aus getrockneten Palmenblättern und Plastikplane inmitten der Dünen. Es sieht eher nach Slum aus. Mir kommt ein verrunzelter Beduine mit einer Menge Herzlichkeit ausstrahlendem Lächeln auf mich zu und begrüßt mich mit "Salem Maleikum" und Handschlag. Ebenso Achmeds Bruder.

Beim Betreten der Hütte ziehe ich, wie es sich gehört, die Schuhe aus. Achmed ist eh barfuß gefahren. Lustigerweise ist innen hinter der Tür der gleiche Sand wie draußen. Es gibt zwei Decken. Auf der einen sitzt der zweijährige Sohnemann mit verbundenen Händen und Füßen. Nein, er hat nichts schlimmes, er wurde nur gerade mit Henna geschmückt und da soll kein Sand dran.

Mir werden Dattel angeboten, dazu Kaffee und eine Schale mit Ziegenmilch. Sie ist frisch gezapft, warm und schmeckt lecker wie etwas süßliche Milch. Das süßliche kommt von den Gräsern, die hier spärlich wachsen.

Der Sohnemann weiß nicht so recht, warum ein riesengroßer, unrasierter, verschwitzter, salzweißer Typ mit zerrissener Hose bei ihm in der Hütte steht. Aber nach ein paar Minuten sind wir Freunde und ich entlocke ihm ein paar Lächeln.

Achmed wohnt hier mit seiner Familie zu Acht in diesem Raum. Nebenan ist die Küche.

ich überlege mir, wie hier der Sohnemann im Kreise der Familie gezeugt wurde.

An der Wand hängt ein Plastikball und 3 weiße Gewänder. Sonst sehe ich nichts. Keinen Kram, keine Deko, keine Möbel, keinen Fernseher (es gibt eh keinen Strom), keinen überquellenden Kleiderschrank. Alle drei Tage wird das Gewand gewechselt und in der Stadt gewaschen. Achmeds Familie hat 100 Ziegen und 20 Kamele, durch deren Herde wir eben gefahren sind. Datteln werden übrigens von Palmen produziert, lerne ich.

Ich erlebe und genieße die Situation mit allen Sinnen, außer dem Sucher. Die Kamera ist im Auto und das ist gut so. Nach einer herzlichen Verabschiedung fahren wir ins Camp, ich dusche mir einen kleinen Teil des Überall vorhandenen Sandes ab und freue mich auf frische Klamotten nach 32 Stunden.

200km Autofahrt nach Muskat, der Hauptstadt.Im englischsprachigen omanischen Radio kam um 15:45 die Durchsage, dass nun Prayer time (Gebetszeit) sei. Es folgen 2 Minuten Wellenrauschen.

Außerdem werde ich belehrt, dass man am besten mindestens 7 Stunden schlafen solle. Und weniger Fernsehgucken, maximal 2 Stunden am Tag. Stattdessen lieber Sport machen. Denn dadurch wird man schlank, hat ein besseres Körpergefühl, dadurch ein besseres Selbstbewusstsein und weniger Probleme. Und verbringt mehr Zeit mit Freunden. Highheels sind auch schlecht, machen schlechte Durchblutung. Und geschminkt schlafen gehen gibt Pickel.

Oh Mann. Oman. Du hast mich bezaubert.

Erst die Betonwüste der überflüssigen Stadt Dubai.

Dann die Steinwüste in den Bergen von Oman.

Dann die rote Sandwüste "Wahiba Sands".

Die entspannten, gastfreundlichen und hilfsbereiten Menschen.

Verlassene Dörfer aus halb verfallenen Lehmhäusern.

Großartige Landschaft.

Keine sichtbare Armut. Keine Bettler, kein ständig-angesprochen-werden.

Dafür freundlich gegrüßt werden mit erhobener grüßender Hand.

100%iges Sicherheitsgefühl. Gute Straßen.

Kein Muhezzin, der regelmäßig zum Monolog mit seinem imaginären Freund ruft.

Die Gebete im Radio klangen entspannend und passten zur Stimmung der Fahrt.

Die 7 Tage waren sehr intensiv. Trotz vollem Programm war nicht in Eile, sondern habe genossen. Jede Minute. Bis auf den polizei checkpoint. Und die Warterei bei der Einreise. Aber sonst jede Minute.

Welch Glück das erleben zu dürfen, zu können und den Ruck gegeben zu haben es zu machen.

Ich sitze im Flieger.

bye, bye Oman.

Wir sehen uns wieder. Verändere dich nicht zu viel! Bleib wie du bist!

Diesen Berg wäre es runter gegangen, wenn ich mich nicht mal wieder festgefahren hätte und der Wagen nach mehreren Ausgrabversuchen nicht komplett mit dem Unterboden auf Sand gelegen hätte.
Diesen Berg wäre es runter gegangen, wenn ich mich nicht mal wieder festgefahren hätte und der Wagen nach mehreren Ausgrabversuchen nicht komplett mit dem Unterboden auf Sand gelegen hätte.

Diesen Berg wäre es runter gegangen, wenn ich mich nicht mal wieder festgefahren hätte und der Wagen nach mehreren Ausgrabversuchen nicht komplett mit dem Unterboden auf Sand gelegen hätte.

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