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Kajaken zwischen Eisbergen in Ataa

Groenland - bereist: Juli 2015

Unser Top-Highlight von Grönland ist sicher das dreitägige Kajaken zwischen Eisbergen. Wir hatten uns in Deutschland mit einem Grundkurs und zwei Sicherheits-Trainings, bei dem man lernt nicht reinzufallen und wenn doch wieder ins Boot zu klettern, darauf vorbereitet. Außerdem besteht ein großer Teil unseres Gepäcks aus zwei Trockenanzügen, durch die ein Fall ins Wasser trocken und überlebbar bleibt.

Das Kajaken war grandios. Bei Sonnenschein, spiegelglattem Fjord und wenig Strömung bestand das höchste Risiko darin einen Sonnenbrand zu bekommen.

Wir fahren durch Felder aus Eisbröckchen, den Überresten von größeren Eisbergen, und von Eisberg zu Eisberg. An Strecke schaffen wir aufgrund der vielen Fototermine, sowie Guck- und Staun-Pausen nicht so viel, vielleicht sind es 12 km am Tag. Eine Robbe taucht auf, guckt sich um und verschwindet schnell wieder, als sie Steffi sieht.

Kajaken zwischen Eisbergen in Ataa
Kajaken zwischen Eisbergen in Ataa
Kajaken zwischen Eisbergen in Ataa
Kajaken zwischen Eisbergen in Ataa
Kajaken zwischen Eisbergen in Ataa
Kajaken zwischen Eisbergen in Ataa
Kajaken zwischen Eisbergen in Ataa

Am letzten Tag fiel das Kajaken bis zur Abfahrt um 13:00 leider wegen starkem Nebel aus. Auch so kann Grönland aussehen - und eigentlich entsprach dies auch eher unseren Erwartungen.

Kajaken waren wir in Ataa. Einem 1960 verlassenen Dorf auf einer Insel kurz vor Eqi, in dem nun ein privates Haus, ein zerfallener Schuppen, ein Wohnhaus, eine Hütte für 8 Personen und ein Restaurant stehen. Hier kann man sich Kajaks ausleihen und übernachten und speisen.

So genial das Kajaken war, so überteuert war der Aufenthalt. Die Hütte ist sehr einfach und lieblos (mit am Rand in Wandfarbe überpinselten Regal und Tauch-Plakaten, uralte angebrochene Möbel, durchgelegene Matratzen in Stockbetten, ein Gemeinschaftsbad ohne fließendes Wasser). Die Kajaks sind recht alt und es sind die kleineren Seayaks statt die angepriesenen Kodiaks (wobei dies den Betreibern bekannt ist). Wir hatten Vollpension. Das Abendessen war lecker und reichlich aus Wal-Gulasch oder lokalem Fisch mit Gemüse, das Frühstück bestand aus Toast und Marmelade und Haferflocken (Eier gab es nicht, Müsli gab es auch nicht, auf Nachfragen gab es einen geschnittenen Apfel, Bananen wären maßlos teuer wurde uns erklärt), das Mittagessen aus einem Lunchpaket aus Toast mit Dosen-Makrele oder Käse.

Das wäre alles völlig ok und eine einfache Hütte in der Abgeschiedenheit ist klasse, wenn wir für Transport, die 3 Übernachtungen mit Kajaks und Essen nicht zu zweit sehr, sehr viele Euros bezahlt hätten. Wir hatten durch ein kurzfristiges Umbuchen einen eigenes Shuttle-Taxi für uns, was den Preis erhöht hatte. Man könnte einfach direkt beim Anbieter "Ilulissat Tourist Nature " nur Transport und die Hütte mit Abendessen und den Kajaks mieten und sich morgens und mittags selber versorgen. Oder auf Ataa zelten. Woanders ist uns keine Stelle bekannt zum mehrtägigen Kajak leihen. Wir haben in jeder Stadt gefragt. Ab Ilulisat wird kajaken in einem Dorf nebenan angeboten für 2 STunden für einen recht hohen Preis.

Das Paddelerlebnis an den 3 Tagen war genial. Und dass alles teuer ist, das wussten wir vorher.

Betrieben wurde das Ataa Camp durch einen 43-jährigen Italiener mit seiner schwangeren 22 jährigen grönländischen Freundin. Wir fragten sie, ob sie die Gesundheitsrisiken bei Rauchen in der Schwangerschaft kenne.

"This baby will go through my pussy. Imagine you sit on the toilet and you shit out a watermelon."

Durch das Rauchen bleibt das Kind halt kleiner...

Ein guter Grund weiter zu rauchen. Wir sind fassungslos.

Ein Lichtblick ist die Köchin Caroline, eine 28 jährige Französin, die seit 4 Jahren auf Weltreise ist und nun gegen Flug aus und nach Südamerika, Kost und Logie in Ataa kocht. Geld spielt in ihrem Leben keine große Rolle. Sie arbeitet meist kostenlos, um ihre Träume umzusetzen. Z.B. um auf ein Schiff in die Antarktis zu kommen. Sie erzählt uns einige Geschichten von ihrem Tripp, die, wie sie selber sagte, oft die Grenze von Wagemut zu Dummheit überschreiten. Aber sie hat sehr viel Glück, so dass immer coole Geschichten dabei rauskamen. Nach Grönland wollte sie um Eisbären, den Narwal (der hat eine Spitze am Kopf wie ein Einhorn), Polarlichter, Jäger bei der Jagd und Eisberge von unten zu sehen. Das wurde ihr auch alles versprochen vom Ataa-Besitzer per Skype. Dummerweise gab es in der Gegend in den letzten 10 Jahren nur zweimal Eisbären, die flux bei Erscheinen abgeknallt wurden. Den Narwal hat hier noch niemand gesehen (aber möglich wäre es ja), Polarlichter gibt es erst im Winter und dann auch erst die Zeit Jäger zu begleiten oder selber Kajaken oder schnorcheln zu gehen.

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