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7 Tage Muskelkater und Vollgefuttert - AIDA Kreuzfahrt auf den Kanaren

Sonstige - erlebt: Januar 2016

7 Tage Muskelkater und Vollgefuttert -  AIDA Kreuzfahrt auf den Kanaren

Fazit

Ich hatte riesen Vorurteile und wenig Lust auf AIDA: eine 200 Tonnen schwere Biomasse ‎aus 2500 Pauschal-Touristen wird auf Inseln abgekippt, in Busse gesteckt, rennt auf ausgelatschten Touri-Wegen Reiseleitern mit emporgestrecktem Regenschirm hinterher, fotografiert jeden Stein, isst abends Spaghetti Bolognese & Pizza und hört dabei deutsche Schlager.

Alles davon hat sich bestätigt.

ABER:

AIDA ist sehr vielseitig. Man kann all das mitmachen oder sich davon teilweise oder ganz entziehen.

An Bord gibt es ein großes Sportprogramm im Fitnesscenter und Sauna, ruhige Lounge-Ecken, Hängematten auf den Balkon-Kabinen, sowie Liegestühle an Deck ohne Beschallung.

Und es gibt Pool-Partys, ein Brauhaus mit Schweinshaxe, Weißwürstchen und deutschem sowie aus Meerwasser selbstgebrautem Bier mit Oktoberfest-Partys.

An Land kann man an einem Tag in eine Insel reinschnuppern per organisierter Touri-Bustour, selber per Mietwagen oder per organisierten sportlichen Touren per Bike (mit und ohne Motörchen).

Reisen, bei dem man Land und Menschen erlebt. ist das nicht. Es ist Urlaub. Mit einem Blick in ein Land bei gutem Essen fast rund um die Uhr in 4 unterschiedlichen Restaurants mit sehr großen und guten Buffets. Und mit Cocktails, Party, Kinderbetreuung und Sport.

Und dafür war es klasse.

Die Kanaren-Tour war ideal. Sicher auch eine Ostsee-Tour mit Städten von Baltikum und den nordischen Ländern. Oder eine Mittelmeer-Tour.

Ferne, exotische Ziele, in die man eintauchen und die man mit viel Zeit erleben muss, eignen sich meiner Meinung nicht.

Außerdem sollte man die Ökobilanz von 1,5 Tonnen Treibstoff pro Stunde, dem Verbrauch von 55 Tonnen Lebensmitteln und den durch Generatoren erzeugten Strom für Trinkwassererzeugung, Sauna, Tiefkühl-Lager, Licht und alles Andere, ignorieren.

All you can eat...
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Geschichtchen

Landung

Der Flieger ging um 3:30 nachts los. Nach der Landung kam ein herrlich sinnloser Satz durch die Lautsprecher: „Ich bedanke mich, dass sie trotz der frühen Stunde bis zum Schluss bei uns geblieben sind.“

Claudia

Wir gehen an Bord. Es gibt drei Restaurants. Mit jeweils reichlich Tischen. Wir nehmen das Restaurant und den Tisch, an dem zwei Tische weiter Claudia sitzt. Meine Ex-Nachbarin und Dauergast auf der AIDA, die gerade die letzten 10 Minuten vor dem Check out noch frühstückt.

Sie begrüßt mich mit „Na, wieder nüchtern?“, anscheinend der Standard-Begrüßung unter AIDA-Fahrern, bis sie mich erkennt.

Vietnam sehen

Bei Mittagessen plaudern wir mit einem Mitte-50-Jährigen-Paar neben uns. Sie meinen auf dem Schiff sei der Querschnitt der Deutschen. Nein. Es ist ein Ausschnitt.

Als sie mal mit der AIDA in Vietnam waren, lag die AIDA 150km entfernt von Saigon in einem Industriehafen. Die 3 Stunden Busfahrt nach Saigon rein waren ihnen zu anstrengend und so beguckten sie Vietnam von Deck aus mit Blick auf Container.

Ich fange an von den Busfahrten damals in Vietnam zu träumen, den baufälligen Bussen auf dem baufälligen Highway No 1, der zu großen Teilen nicht geteert war. Eingepfercht mit Einheimischen und ihren Tieren in einem Bus. Bei einem platten Reifen in den Bergen nutzen wir die Zeit durch ein winziges Bergdorf zu schlendern.

Weißwurst

Im Restaurant „Brauhaus“ gab es an beiden Seetagen ab 11:30 Uhr bayrischen Frühschoppen mit Weißwurst, Bretzn und Bier - und Helene Fischer – und Dirndl.

Dieses Restaurant gibt es auf fast allen AIDA Schiffen. Wir stellen uns vor, wie man vor Indien liegt, die Weißwurst zuzelt und dann in einem Kokon eines klimatisierten, keimfreien und sterilen Busses für 3 Stunden in Indien „eintaucht“ und ein exotisches Land mal so richtig erlebt.

Am Nachbartisch schwärmte jemand von den Ausflügen, dass alles so gut organisiert ist, nichts schief geht und man nie übers Ohr gehauen wird. Wie auch, wenn alle Einheimischen auf Sicherheitsabstand gehalten und durch Bus-Glas bestaunt werden.

Tiefpunkt

Eine Abendveranstaltung mit dem Kapitän wird angepriesen. Es gibt so viel Interessantes über so ein Schiff zu erzählen. Die Fragen waren nicht schlecht. Aber der Kapitän beantwortete sie alle mit Bullshit. Wer steuert das Schiff, wenn er jetzt hier ist? Die Friseuse, denn die kennt sich aus mit Wellen. Wie wird man Kapitän? Er war beim Friseur und hat sich gut rasiert, dann haben sie ihn genommen.

Und das Schlimmste: es schien den meisten Anwesenden zu gefallen und es wurde gelacht.

Weiterer Tiefpunkt

‎Nach einer sehr gut gemachten Farewell-Veranstaltung am letzten Abend mit persönlicher Vorstellung von 20 der 625 Crew-Mitglieder, gab es eine Party auf dem Pool-Deck, bei der der DJ zu einer Polonaise aufrief.

Aufgezwungenes Gespräch

Nachmittags sitzen wir an Deck und gucken auf Teneriffa. Neben uns ist ein Stuhl frei, daneben sitzt eine Frau Mitte 60. Sie fängt an zu erzählen, dass die Reise nun vorbei wäre und die Zeit doch so schnell vergangen sei. Ich gucke zu ihr rüber und stelle fest, dass sie mit uns redet. Vor drei Wochen hat sie mit ihrem Mann, Familie und Schwiegersohn und Enkeln ja die gleiche Reise gemacht. Und nun nochmal mit ihrem Mann. Nein, wie die Zeit vergeht.

Wir bestätigen ihr das Vergehen von Zeit und gucken wieder auf Land. ‎Zwei weitere Versuche von ihr unterbinden wir durch kurzfristig angeregte Unterhaltung untereinander. Vielleicht hätte ich ihr auch ausführlich über SAP In-Memory Datenbanken erzählen können.

Die Ziele

Madeira

Wir waren den Tag über nur in Funchal, sind durch die Stadt und den Garten Santa Catarina gelaufen und mit der Seilbahn nach Monte gefahren.‎ Ich empfand die Stadt als nichts Besonderes, zumal die Blumen im Januar nicht blühen. Der Markt war ganz nett, jedoch zugeschnitten auf Touris, die fremde Früchte probieren und kaufen sollen. Die Einheimischen waren wahrscheinlich morgens da.

‎Beim nächsten Mal würden wir eher einen Mietwagen nehmen und in die Berge zum Wandern fahren.

Lanzarote

Die Fahrt durch die Mondlandschaft an den Vulkanen im Nationalpark Timanfaya war sehr eindrucksvoll und das Highlight des Tages.

Die Fahrt danach über die Insel war zwar nett, konnte mit den Bildern der Vulkane jedoch nicht mehr mithalten.

Eindrucksvoll war die Höhle „Cueva de las Verdes“, die durch Magma-Fluss entstanden ist. Der Gang durch die Höhle dauert eine Stunde. Man sollte sich zwischendurch in der Galerie, in der Stühle für Konzerte stehen, verstecken und mit der nächsten Gruppe wieder zurückgehen und die Stille genießen. Man verlässt die Galerie in der gleichen Richtung wie man reingeht.

Der Besuch des „Jameos del Agua“ war danach auch ganz nett, konnte aber gegen die Vulkane und die Höhle nicht ankommen.

Damit haben wir wohl alles Wesentliche auf Lanzarote gesehen.

Vulkane von LanzaroteVulkane von LanzaroteVulkane von Lanzarote

Vulkane von Lanzarote

Die Höhle aus Magma „Cueva de las Verdes“
Die Höhle aus Magma „Cueva de las Verdes“
Die Höhle aus Magma „Cueva de las Verdes“

Die Höhle aus Magma „Cueva de las Verdes“

La Palma

Astra mit GPS reserviert, Astra mit GPS und ohne Dach bekommen. Yeah!

Die Fahrt rauf auf den Krater Roque de los Muchachos war grandios. Hunderte Serpentinen durch duftenden Kiefernwald (ideal für Cabrio) und tolle Natur. Oben wurde es karger. Auf den Bergspitzen thronen verschiedene Observatorien, die dank einem Gesetz gegen Licht-Luftverschmutzung ideale Bedingungen vorfinden. Der Blick in den Krater ist eindrucksvoll.

Die Runde vom Hafen in die Berge nach Reque de los ‎Muchachos, mit Aufenthalt dort, dann über Puntagorda und Los Llanos de Ariadne und dem Visitor Centrum zurück dauerte 6 Stunden.

Die Fahrt nach dem Krater hat sich eigentlich nicht gelohnt. Der perfekte Tag wäre mit dem Leihwagen zum Request de los Muchachos zu fahren, dort spazieren und eine Wanderung zu unternehmen, dann auf dem gleichen Weg zurück.

Die Berglandschaft bietet ‎sicherlich tolle und anstrengende Wanderungen für weitere Wochen.

Krater auf La Palma
Krater auf La Palma
Krater auf La Palma
Krater auf La Palma
Krater auf La Palma

Krater auf La Palma

Teneriffa

Hier haben wir uns nur per Taxi zu einem Strand fahren lassen und haben uns in unseren Hängematten zwischen Bäumen bewegungslos abgehangen. Mit dem öffentlichen Bus ging es zurück für 1,25 EUR.

‎Nützliches

Abhängig vom Abflugs-Flughafen kommt man schon früh am Abreisetag an Bord und reist erst später am Nachmittag ‎wieder ab. Wir waren um 9:30 an Bord bis abends 17:00. Gäste aus München müssten schon um 6 Uhr morgens abreisen.

Die Autovermietung cicar.com ist in Lanzarote und La Palma direkt am Hafen. Man sollte zügig von Bord kommen, denn die Warteschlange an deren Schalter in La Palma war 30 Menschen lang‎, was sicher mindestens eine Stunde Wartezeit bedeute

"Yoga-Krähe""Yoga-Krähe""Yoga-Krähe"

"Yoga-Krähe"

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