Geschichten, Erlebnisse, Reiseberichte und Reisetipps von den letzten Reisen

Überlebt in Mexiko City

Mexico 2009 - bereist: Februar 2009

Nach meinen 14 Stunden Arbeitstagen in den letzten Tagen (er beginnt morgens um 5, da ich wegen jetlag nicht schlafen kann – daheim ist es dann 11), workshops mit Maxikanern, bei denen sich niemand an die Zeiten hält und kaum jemand ein verständliches Englisch spricht, die Doku auf Spanisch ist, die Konzepte auch, sich meine Spanischkenntnisse  auf die Zahlen beschränken, die Key User gar kein Englisch sprechen und ich bei Interviews einen Dolmetscher brauche (der ja auch kein gutes Englisch spricht), die Internet Verbindung hier ständig abbricht, hab ich endlich nun endlich mal Ruhe zu Tippsen.

Soweit zum Thema Insentive im Paradies. ;-)


Eine Woche arbeiten in Mexiko City lehrt das Leben und die Arbeit viel entspannter zu sehen.
"Es dauert halt" war der Kommentar eines Kollegen, als ich täglich Mails schrieb und den Workshop samt Flügen doch mal bestätigt haben wollte. 3 Tage vor meinem Abflug erhalte ich die Bestätigung. Für die Sitzplatzreserverung ruf ich bei Lufthansa an und erfahre, dass sie meinen Namen zwar zweimal findet, aber beide Buchungen gecancelt sind. Das wäre aber eine Überraschung beim Checkin geworden. Nach noch ein paar eMails erhalte ich einen existierenden Buchungscode. Alles klappt - wenn auch in letzter Minute.
"Es dauert halt" passt auf ziemlich alle Situationen. Auf das Auschecken im Hotel, womit 4 Leute beschäftigt waren. Auf das organisieren von Meetings, die trotz Planung irgendwann anfangen und irgendwann aufhören. Wobei "in 15 Minuten" bedeutet, dass man nochmal gemütlich Essen gehen kann und dennoch erster im Raum ist.
"Es dauert halt". Ausser, wenn es ums Essen geht. Da geht alles flott. Auch Tequilas sind unmittelbar nach der Bestellung Einsatzbereit.

Nach gefühlten 2 Kilo mehr auf der Waage nach der Rückreise kann ich beim Thema Essen wohl etwas mitreden.
Topitos ist das, was bei uns Tacos sind, was hier Tortillas mit Fleisch sind. Harte Tortillas sind Tostadas, weiche mit Sauce oder Käse drauf sind Enchiladas und Zusammengeklappte mit Käse (manchego) sind es Quesadillas,  Im Endeffekt sind es alles Mais- oder Weizenfladen mit was drin, drum oder drauf. Für diesen Satz würde mir jeder Mexikaner eine Tequilaflasche über den Kopf hauen. Deshalb erwähne ich noch, dass es überwiegend sehr lecker war und durch verschieden zubereitete Fleischgerichte und Suppen doch Abwechslung gibt.

Horchata ist ein sehr leckeres Reisgetränk, für ein erfrischendes Lemonwater (Limonensaft mit Zucker und mit wasser aufgefüllt) bestellt man lemonade con gas, was auch sicherstellt sprudelwaser und nicht leitungswasser zu bekommen. Zur Sicherheit sin hielo, dann erhält man es ohne eis.

Das beste Essen allerdings gab es in einem brasilianischen Restaurant in Polanko/Mex City. (Adresse folgt). Am Buffet gab es reichlich Salate mit mir teilweise unbekannten Zutaten und käsegefüllte Minibrötchen. Kellner kamen herum mit riesigen Fleischspießen, von denen Scheiben abgeschnitten wurden. Das Fleisch war zwar nur die überall auf der Welt verfügbare Auswahl an Rind, Schwin, Hühnchen und Pute, aber die Zubereitung war sehr gut. Vor allem die kleinen Filet Mignons.

Ich war sehr beeindruckt wie es mein ehemaliger Kollege Walter, der jetzt wieder in Mexiko City wohnt, schafft uns durch die Stadt zu fahren, dabei den anderen 25 Millionen Einwohnern der Stadt auszuweichen, die auch gerade alle auf der Staße zu sein schienen, und ohne Navi unser Ziel findet. Navi gibt es nicht. Denn es hat das Problem, dass man zwar die schnellste oder kürzeste Route berechnen kann, aber nicht die sicherste. Damit würde es einen durch Gebiete schicken, die man besser weiträumig umfährt.
"Nicht zu lange Zwinkern" ist die wichtigste Regel beim Autofahren. Denn innerhalb von Millisekunden kann sich die Verkehrslage dramatich ändern und man muss irgendwas ausweichen.
Die Ampeln dienen als Einkaufsmöglichkeit oder zur Unterhaltung. Hier werden den in den ersten 5 Reihen
Blumen, Zeitungen, Besen, Obst, Kaugummis und anderer Krempel verkauft. Andere Dienstleistungen sind Scheiben putzen, jonglierende Kinder oder  Drehorgeln (die keine 2 zusammengehörenden Töne herausbringen) .
Ein Problem kann man bekommen, wenn man die Dienstleistungen nicht haben und nicht bezahlen will. So sahen wir, wie ein paar sehr heruntergekommende Jungs etwas hinter einem Jeep herwarfen, der bremste, dann doch weiterfuhr. Anscheinend wollte er einer Diskussion über eine angemessene Bezahlung aus dem Weg gehen.

Taxis lässt man im Hotel oder im Restaurant von einem Taxistand rufen oder man geht selber hin. Dies sind die vertrauenswürdigen Taxis. Beim Hotel wird mein Name, Zimmernummer und Taxinummer notiert. Die nicht vertrauenswürdigen nimmt man sich auf der Straße. Dort besteht die Möglichkeit, dass sich an einer Kreuzung ein weiterer Mitfahrer dazu setzt, einem die Pistole in den Bauch hält und einen höflich um Kreditkarte plus dazugehöriger Pin bietet. Einem weiteren Geschäftspartner werden diese ausgehändigt, der dann per Handy über Erfolg oder Mißerfolg am Geldautomaten berichtet. Dieser Status entschiedet über Aussteigen oder größere folgende Probleme. Kooperieren ist also die einzige Chance, zumal die Chance von der Polizei erwischt zu werden gegen Null geht.
Bislang hatte ich immer eine ungültige Kreditkarte dabei, über deren Verlust ich gut hinweg gekommen wäre und der Dieb sich fundig gefunden hätte. Diese Strategie habe ich nach der Taxigeschichte nochmal überdacht, da mein Spanisch nicht ausreicht den Herrschaften klar zu machen, dass es für diese Kreditkarte keine PIN gäbe.

Zurück in Deutschland geniese ich die Sicherheit in meinem beschaulichen Baumberg, als ich abends bei Dunkelheit nochmal einkaufen gehe und nicht Angst haben muss erschossen zu werden.

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