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Einmal und nie wieder - Dubai

Dubai, Naher Osten - bereist: September 2008

Manchmal ist es praktisch früh auszustehen.

Morgens um 7:30 lese ich eine Mail von meinen Kollegen aus Dubai, dass jemand für einen Vortrag auf einem Kunden-Info-Tag gesucht wird. Ich frage sofort nach und erfahre, dass es um einen Speakerslot von 45 Minuten geht in einem Thema, das mir liegt.
Für 45 Minuten arbeiten sich endlich mal Dubai angucken zu können klingt nach einer guten Idee von meinem Arbeitgeber und besten Reiseveranstalter.
Nach der Landung haben wir eine Außenposition und fahren mit dem Bus zum Terminal. Eine ewig lange Fahrt. An der ersten Stattion sollen alle Transitgäste für einen Weiterflug aussteigen. Danach sind wir nur noch 4 im Bus von vorher wohl 50. Also nur die wenigsten wollen hier bleiben.
Im Flughafen sieht man an der Paßkontrolle jede Menge Scheichs in weißem Gewand und weißen Kopftuch mit schwarzem Stirnband. Ich überlegte mir morgen vor einer Gruppe von 50 Scheichs zu stehen und sie neugierig zu machen über mein Thema.
Im Taxi zum Hotel fällt mir das riesige Schild von Ikea auf. Die Villen auf der Palmen-Insel mit Billi Regalen. Ein netter Gedanke.

Im Hotel angekommen sagt man mir, dass sie voll seien und sie mir ein Upgrade geben müssen. Und so erhalte ich eine Suite, die größer ist als die meisten Wohnungen in Deutschland. Der Ausblick aus dem 22. Stock ist fantastisch. Eine blau beleuchtete Brücke vor dem Hotel, im Hintergrund einige Wolkenkrazer -  wobei einer wie eine Nadel in den Himel sticht. Irgendwie sehr dünn. Dabei sehr hoch. Es ist das zur Zeit höchste Gebäude der Welt - 800m, allerdings noch im Bau. Zur Sicherheit soll oben ein Kran stehen gelassen werden um bei Bedarf noch ein paar Meter draufzusetzen, wenn ein anderes Land auf die Idee kommen sollte einen Längeren haben zu wollen.
Morgens sieht der Blick nicht mehr fantastisch aus. Viele Baustellen, die Brücke sieht nicht mehr blau, sondern einfach nur noch nach Brücke aus und die Wolkenkratzer im Hintergrund sind im Dunst kaum zu sehen.
Das Frühstück ist mit Leckereien aus aller Welt dafür wiederum fantastisch. Wobei die asiatischen Spezialitäten wie Nudelsuppe und Wan Tans nicht ganz auf meinen Frühstücksplan passen.

 

Die Agenda sieht ein Treffen der Vortragenden um 10 Uhr vor. Ich fragte die Leute im Hotel, was man vorher machen könnte. Ich blickte in ratlose Gesichter. So früh? Hm. Eine große Mall wäre direkt nebenan am Hotel. Toll. Ich stellte einmal mehr fest, dass eine Mall in Dubai so aussieht wie eine in USA oder eine in Oberhausen.
Vielleicht etwas mehr Marmor, vielleicht etwas hübscher. Aber im Endeffekt die gleichen Geschäfte.


Mein Plan ist es mich nach der kurzen Vorbesprechung in die Stadt abzusetzen und mir bis zu meinem Slot um 15:00 Uhr die Stadt anzugucken. Den Plan erzähle ich einem deutschen Kollegen, der in Dubai wohnt und er macht ihn zunichte mit den Worten: Dann plane mal eine Stunde ein um bei dem Verkehr in die Stadt zu kommen, eine um wieder hinauszukommen und eine, um die Klamotten zu wechseln und zu duschen. Draußen sind es 35° Grad.
Also genieße ich die Annehmlichkeiten des Hotels, des Meeting-Saales und der Klimaanlage.
Es ist Ramada. Fastenzeit. Die Zeit für den Kunden-Info-Tag war damit schlecht gewählt, denn die Moslems fasten. Essen und trinken den ganzen Tag nichts wenn die Sonne sichtbar ist. Noch nicht einmal ein Kaugummi. Und haben damit Hunger, Durst und schlechte Laune.
Um uns Christen auf den Beinen zu halten, gibt es abgetrennt mit Stellwänden ein paar Stehtische mit Wasser und Säften. Ich nutze die Zeit für small talk mit Kollegen, die hier in Dubai stationiert sind.

Was man hier unternehmen kann? Sie schlagen mir 2 tolle Malls vor. Toll. Wo Malls weltweit recht gleich aussehen und die gleichen Geschäfte haben.  Die künstliche Palme sehen? Geht, aber nur aus dem 7* Hotel von oben. Und da kommt man ohne Zimmer- oder Tischreservierung nicht rein. Das billigste Gedeck ist ein Tee-Gedeck für 70 EUR. Die zweite Palme ist gerade im Bau und die Dritte in Planung. Und die Welt wird ja auch noch als viele Inselchen gebaut. Also scheint die Originalität etwas unter zu gehen. Immerhin noch nicht die Inseln.
Wir sollen uns den Gewürz und Goldmarkt angucken. Und den Fluss. Die Stadt an sich habe den Charme einer 60er Jahre Ostblock Siedlung. Entsprechend runtergekommen nach den Jahren und der Bauweise. Bis vor ein paar Jahrzehnten gab es hier nur Sand. Und ein paar Zelte. Und einen Palast aus Lehm. Und ein paar Kamele.  Dann wurde Öl gefunden. Und weltweit Autos gebaut, die das verbrennen. Dann entstand so was wie eine Stadt. Richtig entstand etwas, als die Ölscheichs ein paar Dollars investiert haben und in den letzten Jahren mehrere Wolkenkratzer und Luxushotels bauten. Und was die Luxusgäste sonst noch brauchen. Malls. Indoor-Ski. Wasserrutschenparadies.
Warum man höchste Gebäude der Welt hier bauen muss, wo man durch den Dunst der hohen Luftfeuchtigkeit des Meeres und der Hitze kaum weit geguckt werden kann, ist mir ein Rätsel. Ein weiteres Rätsel ist mir, was man hier macht, wenn man hier wohnt. Viel arbeiten ist eine Lösung. Dann fällt nicht auf, dass man nicht viele Beschäftigungs-Alternativen hat. Wenn der/die Partner/in nicht arbeitet, dann fehlt mir die Fantasie. Er/sie kann von dem klimatisierten Haus im klimatisierten Auto in eine klimatisierte Mall zum Shoppen fahren. Außerhalb eines klimatisierten Raumes ist es zu heiß. Und man kann den Luxus von sehr guten Hotels und deren Restaurants und Spa genießen.

45 Zuhörer vom Kunden waren angekündigt. Um 13:00 soll es los gehen. Um 12:50 sind 5 da. Um 12:55 sind es 7.
Das ist normal hier, sagt mir der deutsche Kollege. Um 13:10 sind es 40. Allerdings kein einziger Scheich, sondern überwiegend Inder. Ein paar aus USA, Kanada, Australien, Sudan, Argentinien. Anscheinend arbeiten hier nur Gastarbeiter. Die Scheichs lassen arbeiten. Warum sollten sie auch bei all dem Öl.
Die Veranstaltung verläut gut. Wir beeindrucken unsere Kunden mit bunten Powerpoints und einer Vorführung auf einem BlackBerry.
Die Agenda sieht zwei Pausen vor für Beten. Ich überlege mir, wie sich ein Kunde in Deutschland über so einen Tagespunkt wundern würde.
Noch mehr als unsere Vorträge erwarten die Anwesenden sicherlich 18:17 Uhr. Dann ist Sonnenuntergang und man darf wieder essen. Und das hat mit fasten dann nichts mehr zu tun. Wir werden in einem Restaurant mit einem riesigen Buffet verwöhnt. Alleine das Dessertbuffet verfügt über die Kalorien, um eine mittelgroße Stadt einen Tag zu versorgen.
Nach dem Essen gehe ich mit einem deutschen Kollegen aus Deutschland auf Stadtbesichtigung. Der Ausblick vom 42. Stock des eines Hotels auf die anderen Wolkenkratzer ist imposant. Danach versuchen wir einem Taxifahrer klar zu machen, dass wir zum Palast wollen. Er guckt uns fragend an. Kann unseren Stadtplan nicht lesen und versteht unsere Aussprache nicht. Immerhin landen wir an dem Fluss in der Stadt. Nach 2 Minuten denke ich, dass es daheim in Köln oder Düsseldorf am Rhein viel schöner ist. Wir gehen spazieren und finden den Gewürzmarkt. Ein paar Händler bieten uns viel Geschmack an. Nach 2 Minuten denke ich, dass es auf Gewürzmärkten in Indien und Thailand viel schöner ist. Die Gewürze sind dort zu schönen bunten Pyramiden gestylt oder stehen in riesigen Säcken bereit. Danach finden wir den Goldmarkt. Ein Goldgeschäft neben dem anderen. Nach 2 Minuten denke ich, dass man auf Weihnachtsmärkten in Deutschland oder Wien viel shöneren Schmuck findet als den hier. Der hier ist übertrieben goldig und riesig groß. Die Geschäftchen sind kaum eines Blickes wert, da sie überwiegend Billigchinaschrott verkaufen.
Wir gehen weiter und finden am Fluß eine Art Biergarten, in dem es Alkohol gibt. Das gibt es hier nicht überall. Nach 2 Minuten denke ich, dass der Mango-Saft hier richtig lecker ist und richtig billig.
Aber ein Grund wiederzukommen ist er nicht.



 


 

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