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Bahrain - Fremdländische Kommunikation

Bahrain, Naher Osten - bereist: Mai 2009

Zweiter Arbeitstag. Anderer Workshop zu einer speziellen Anforderung. Andere Leute vom Kunden. Und auch eine andere Mentalität…

 

Normalerweise läuft ein Workshop so:

Ich frage nach ihren Anforderungen, Ideen und Wünschen.

Ich erkläre ihnen die Möglichkeiten.

Sie stellen Fragen.

 

Mein zweiter Workshop mit 5 Saudis lief so ab:

Ihre Anforderungen waren vorbildlich auf Papier beschrieben.

Ich fing an etwas zu erklären. Dabei werde ich beim ersten Satz mit einer Frage unterbrochen.

Ich beantworte sie. Dabei werde ich beim ersten Satz von einer Frage unterbrochen.

Ich beantworte sie. Dabei werde ich beim ersten Satz von einer Frage unterbrochen.

Ich beantworte sie. Dabei werde ich beim ersten Satz von einer Frage unterbrochen.

Ich frage etwas. In der Mitte meiner Frage werde ich mit einer Antwort unterbrochen, die mir nicht weiterhilft.

Ich frage nach. In der Mitte meiner Frage werde ich mit einer Antwort unterbrochen, die mir nicht weiterhilft.

 

Nach einer Stunde haben sie mich kurz vor dem Wahnsinn. Ich bin komplett gebügelt und versuchte mir meine Genervtheit nicht anmerken zu lassen. Sie meinen es nicht böse, sie sind nur hyperaktiv und von dem Thema begeistert. Und haben halt eine andere Kommunikation in dem anderen Land. Ich bin kurz davor der erste christliche Attentäter in Arabien zu werden.

Nach zwei Stunden ist der Spuk und die geplante Zeit vorbei.

Sie sind fröhlich und der Meinung alles verstanden zu haben, den Auftrag bekomme ich. Ich habe eine grobe Idee von dem, was ich wissen will. Den Rest werden wohl eMails richten.

 

Soldatin Shannon meldet sich erwartungsgemäß nicht und ihr Handy ist ausgeschaltet. Deshalb verbringe den Abend statt neben einem 1 Sterne Flugzeugträger mit meinem Kollegen im Clubgelände des 6 Sterne Ritz. Hier im Restaurant „Trander’s Vic“ sei mein Lieblingscocktail „Mai Tai“ erfunden worden. Sicherlich gibt es weltweit mindestens 120 Bars, die dies von sich behaupten. Zumindest können sie hier eine sehr leckere Version zaubern.

 

Mein BlackBerry meldet eine eMail von George, dem indischen Lehrer aus Kuwait:

„It was nice to be with you for the short visit. You had earned a number of fans in my school. Next day most of the were asking (femals), who was the tall guy and handsome too. …”

Also sowas wie: Ich habe mir einige Fans in Kuwait gemacht an seiner Schule. Am nächsten Tagen haben ihn mehrere Mädels gefragt wer der lange, hübsche Kerl war.

 

Die anderen Mails sind uninteressanter Arbeitskram, aber es gab noch eine passende:

Der Sohn eines arabischen Scheichs studiert in Tschechien. 

Nach einem Monat schreibt er nach Hause:
 "Böhmen ist wunderschön, die Menschen sehr angenehm und es gefällt mir hier ausgesprochen gut.  Nur ab und zu schäme ich mich, wenn ich zur Schule mit meinem vergoldeten Mercedes fahre und einer meiner Professoren gerade aus der Straßenbahn aussteigt. " 
Nach ein paar Tagen folgt ein Scheck über 1 Mio Dollar und eine kurze Nachricht von den Eltern:

 "Mache uns keine Schande, kaufe Dir auch eine Straßenbahn! " 

 

„I will miss you.“

Diesen Satz hört man doch gerne bei seiner Abreise.

Mir wird er von meinem Mangosaftauspresser gesagt, als ich ihm von meinem Rückflug heute Nacht erzähle und dass mein Souvenir 1,5l von seinem Mangosaft sein soll.

Einer von vielen sehr freundlichen und warmherzigen Menschen, die ich die letzten 3 Tage getroffen habe. Die in Sand gebaute Marmorwelt von Dubai vor 6 Monaten hatte mir gar nicht gefallen. Die Welt hier dagegen sehr. Sie macht neugierig auf die nächsten arabischen Länder. Das nächste wird wohl Saudi-Arabien, wo mein Kunde hockt.

 

Rückflug. Ende.

 

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