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40kg auf dem Kopf - die Teeplantagen

Indien - bereist: Januar 2012

Wir fahren hoch in die Berge nach Munnar auf 1500m.

P1020704.JPGAlle Hänge sind voll von Teesträuchern, die nur unterbrochen werden durch die unregelmäßigen Durchgangswege. Dadurch sehen die Berge aus wie grün marmoriert und bieten ein tolles Panorama. Und einen prima Grund für eine 6 stündige Wanderung mit einem Guide, der uns die Basics der Teegewinnung erklärt: Ein Teestrauch wird bis zu 100 Jahre lang beerntet. Nach dem Pflanzen bleibt er 7 Jahre unberührt, danach wird er alle 10 Tage beerntet.

P1020717Die Männer sind zuständig für das spritzen der Teefelder. Mit einem Kanister auf dem Rücken und ohne Schutzausrüstung sicher ein Lebenserwartungssenkender Job. Die Frauen sind für alles anstrengende zuständig. Sie schneiden die oberen frischen Blätter ab und sammeln sie in einem dicken Sack, den sie auf dem Kopf zur Straße tragen. Wir haben versucht einen hochzuheben und konnten die 40kg kaum bewegen. Für 20kg gibt es 150 Rupien, ca. 2 EUR. Dazu kostenloses Wohnen und medizinische Hilfe. Die Männer, die es geschafft haben, sind Supervisor. Sie sitzen den Tag über rum und scheuchen die Frauen umher. Sicherlich wissen die Frauen mindestens genauso gut welches Feld nun dran ist.

P1020729Uns kamen mehrere Frauen mit Sack auf dem Kopf entgegen. Und der Supervisor ohne Sack. Was würde wohl passieren, wenn jeder Touri den Supervisor drauf anspricht, warum er nichts schleppt? Leider konnten wir es nicht ausprobieren, da uns kein Konvoi mehr entgegenkam.

Hier kostet Roh-Tee noch 2 EUR pro 20 kg. In Deutschland, nach Fermentierung, Trocknung, Transport und Verpackung, 2 EUR pro 100g. 

Wir übernachten in einem Homestay. Die erste Nacht bei John in Johns Cottage, in einem blitzblanken netten Häuschen mit dem ersten schön angelegten Garten. Zusammen mit 5 Engländern genießen wir ein geselliges Abendessen. In der zweiten Nacht ist John ausgebucht und wir gehen zwei Häuschen weiter zu „Das Villa“. Der Aufkleber auf dem geparkten Auto sagt uns, dass Jesus uns liebt. Uns kommt eine kleine grauhaarige Inderin entgegen. Mit ihrem seeligen Lächeln, ihrem ständig wackelnder Kopf und die warmherzige Stimme ist sie für uns direkt die liebe Omi. Im Zimmer wird uns mit reichlich Bildern mitgeteilt, dass „Gods Grace is big enough“ und „God blass you“. Die Zimmer sind schön gefliest und gestrichen und blitzsauber. Nach der Wanderung legen wir uns mit der Hängematte in deren Garten und gehen durch den Rest des Hauses, das typisch Indisch runtergekommen ist. Die Fliesen im verwilderten Garten mit Kaffee-Strauch und Kardamom liegen kreuz und quer. Sie haben doch Schönheit hinbekommen. Warum nur für die Gäste und nicht für sich?

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