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Flashmob am Tempel und Hindipop um 4:45

Indien - bereist: Januar 2012

Von Delhi fliegen wir direkt früh morgens in den Süden nach Chennai. Von da mit einem Taxi nach Mamalapurnam. Einem Strandungsort für SoziologiestudentInnen, die in weiten Klamotten nach dem Sinn des Lebens suchen und die Hippie Zeit am Leben halten. Hier gibt es alles, was das Touriherz begehrt: Strand, Meer, schöne Restaurants, wenig Gehupe, haufenweise Geschäfte mit Hippie Accessoires, Steinmetze mit Steinfiguren in jeder Größenordnung und jede Mange Kultur.

P1020211Vor mehreren hundert Jahren wurden hier Tempel in den Stein gehauen, die bis heute sehr gut überstanden haben. Reliefs und Tempelchen, ein großer Tempel am Meer, der zum Weltkulturerbe gehört und Inspiration für Angkor Watt war.

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Mehrere Schulklassen und Studenten sind unterwegs. Viele wollen ein Foto mit uns. Und wir mit ihnen.

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Besonders fällt eine Gruppe von Waisenkindern auf. Sie bauen sich vor jedem Tempel auf für ein Foto und mit riesem Geschrei statt “Cheese” wird für Fröhlichkeit gesorgt. Es entwickelt sich ein Flashmob. Bei einen Foto setzen sich immer mehr Inder dazu. Wir auch. Zum Schluss sind es mehr als hundert.
Jedes der Waisenkinder erhält ein Geschenk. Wir werden gebeten einige der Geschenke zu übergeben. Typisch Inder: Viel von dem Geschenkpapier bleibt am Boden des Tempels liegen. “So sind sie, die Inder” wird ein geflügeltes Wort bei vielen Gelegenheiten.

Es ist eingetroffen, was ich beim ersten Indientrip vor 10 Jahren befürchtet habe: Die Inder gucken einen fremden Europäer sehr ungehemmt an. Wenn sie irgendwann Fotoapparate haben, dann wird es anstrengend. Das ist nun der Fall. Handycams und Digitalkameras sind nun recht verbreitet. Vor allem bei den sehr vielen indischen Touristen, die ihr Land bereisen (wir haben kaum europäische Touris gesehen).   Am Taj Mahal wurden wir mindestens 20 mal um ein Foto gefragt. Unzählige male mehr oder wenig heimlich abfotografiert. Die Rache für Jahrzentelanges ungefragtes Abfotografieren von Indern durch Touris.

Morgens 4:45 in Mamalapurnam. Aus den Lautsprechern direkt vor unserem Fenster erhalten wir Druckbetankung von Indi Pop Musik in unerträglicher Lautstärke. Wir vermuten zum Wecken, damit um 5 Uhr der Muhezin schreien kann. Aber dem war nicht so. Bis 6 Uhr hatten wir Zeit nachzudenken, was es mit Hindipop auf sich hat. Auf der Straße regte sich kaum ein Mensch. Vielleicht ein frustrierter Nachbar, dessen Restaurant pleite gegangen ist und der sich nun unter dem Schutz seines Bruders, der Polizeioberhaupt ist, an den Touris rächen will? Am nächsten Tag erhalten wir 2 Erklärungen:
- Weckruf, um in den Tempel zu gehen  (mit pop Musik???)
- Es ist Musikfestival bis zum 15. Januar. Die Leute stehen früh morgens auf und wecken sich mit Musik (warum nicht um 8???)

In einer Woche, am 15.1., können wir hier erneut Neujahr feiern. Dafür wurden vor vielen Häusern auf der Straße mit Reismehl Bildchen gemalt um böse Geister zu vertreiben. Es hat gewirkt - wir haben den ganzen Tag keine bösen Geister gesehen.

Testreihe auf der Straße:
Mögen Ziegen Cornetto Eis? Nein.
Mögen Kühe Cornetto Eis? Ja.

Nach dem Souveniereinkauf von 3kg bearbeiteten Steinen in Form von Buddha und anderen indischen Göttern (Mamalapurna ist die Hochburg der Steinmetzkunst) geht es weiter nach Thiruvannamalai. In einem schönen, alten indischen Ambassador, dem indischen Schwan, der leider seit einigen Jahren nicht mehr gebaut wird und aus dem Straßenbild von Toyotas und Tatas verdrängt wird.

P1020285Bei einem Stop an einer “Raststätte” überlegen wir, als der Fahrer den Wagen parkt, ob er wohl jetzt mit unserem Gepäck abhaut und ob wir irgendwas davon wiedersehen. Wir haben ein Foto vom Ambassador, auf dem das Nummernschild nicht zu erkennen ist und der Fahrer drauf ist. Damit könnten wir zur Polizei. “Findet unser Gepäck und den Fahrer. Tod oder lebendig, das ist uns egal”.

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