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Geflasht in Osaka – die Partynacht

Japan - bereist: Oktober 2009

Geflasht in Osaka – die Partynacht

Osaka ist eine Business Stadt, nur für ihr Nachtleben und Shopping lobt sie der Reiseführer. Genau das planen wir für die letzten 2 Tage ein – und den Rückflug.

Wir ziehen los. Namba und Shinsaibashi sind die angesagten Ecken für einen Freitag Abend. Schon beim Aussteigen aus der U-Bahn sind wir fasziniert. Man steht in einem sehr belebten 1,5km langen unterirdischen Gang mit lauter Geschäften – einer von zwei unterirdischen Shopping Malls. Wir steigen hoch zum Tageslicht bzw. Nachtlicht und stehen vor einem durch seine Form beeindruckenden Hochhaus, das Namba Hipps. Äußerlich ist es eckig. Aber in seiner Mitte fehlt ein großes Stück in Form eines Kegels. Sehr beeindruckend. Vor allem mit der Beleuchtung. So ein tolles Gebäude hat sicher auch einen tollen Inhalt. Hat es aber nicht. Sondern es ist auf allen Etagen voll mit Glücksspielautomaten, in denen hunderte Kügelchen von oben runterfallen durch das Gerät. Im Hintergrund bewegen sich Mangafiguren. Das Ganze bei ohrenbetäubenden Lärm, der dem Namen „Spielhölle“ akustisch völlig entspricht. Der Sinn und die Faszination des Spiels blieb uns verborgen. Aber es scheint Volkssport zu sein. In langen Reihen sitzen die Japaner bewegungslos davor und sehen den Kugeln zu. Hinter ihnen steht ihr Nachschub von Kisten mit hunderten Kügelchen.


Vom linken Ausgang des Namba Hipps direkt rechts in eine kleine Straße finden wir auf der linken Seite ein Restaurant, das ovalförmig durchzogen ist mit einer langen Herdplatte. In der Mitte stehen zwei Köche. Außen herum sitzen die Gäste. Die Herdplatte ist eine lange Metallplatte, die die Theke zur Hälfte einnimmt. Wir bestellen gebratene Nudeln mit Gemüse, die in einem dünnen Omelette eingepackt werden. Die Speisekarte ist rein japanisch. Aber in fast allen Restaurants steht das Essen als Imitation aus Plastik in einem Schaukasten. Überall. Nicht nur in den Touristen Ecken. Man muss also nur Fantasie haben wie das Plastik wohl schmeckt und zeigt drauf. Das Essen wird vor uns auf der Platte zubereitet, dabei bietet der Koch eine gute Show, Und lecker ist es auch noch.


Wir ziehen weiter und sind begeistert von Osaka. Auf den Straßen wimmelt es von gut gestylten Japanerinnen und Japanern. Die Fassaden übertrumpfen sich gegenseitig mit Leuchtreklame. In welchem Dorf wohnen wir nur in Deutschland. Wir lassen uns treiben. Der Lonely Planet hat als Nightclub-Kette „Sam&Daves“ vorgeschlagen, das auf ihrer Website von sich sagt der hippste Laden in Osaka zu sein. Da die Websites von 2 anderen Clubs recht altbacken aussahen, folgen wir der Empfehlung und planen es als Ziel ein.


Wir lassen uns treiben. Entlang an unzähligen Restaurants und Spielhöllen. Und an rumstehenden Mädels. Und rumstehenden super gestylten Jungs in Anzug und aufwändiger Frisur. Dies ist wohl die andere Seite von Japan, in dem Pornos in den entscheidenden Bildausschnitten unscharf oder verpixelt sind und Tampons in einer Drogerie nochmal extra verpackt werden.


Osaka ist reichhaltig mit Kneipen ausgestattet. Das Problem ist sie zu finden. Japan ist klein und das Platzangebot beschränkt. Deshalb sind nicht alle Restaurants, Kneipen und Geschäfte übersichtlich im Erdgeschoß, sondern auch in den oberen Etagen angesiedelt. Schilder weisen den Weg. Dummerweise sind sie oft auf japanisch. Oder wir können uns unter den Namen nichts vorstellen. Oder sie zeigen Fotos von der Inneneinrichtung, ohne dass sich uns erschließt was sie wohl sonst bieten. Außerdem muss man erstmal hochfahren und reingucken, ob in ihnen etwas los ist und ob es einem gefällt.


Wir treffen einen Nicht-Asiaten, die hier recht selten sind, und fragen ihn wo wir wohl eine Kneipe finden. Er sagte, genau hier bzw in der fünften Etage von diesem unscheinbar aussehenden Gebäude mit einigen Schildern. Er ist Englisch Lehrer. Wie fast alle Nicht-Asiaten mit englischer Muttersprache in Japan. Sie haben heute einen Pub Crawl organisiert, auf Deutsch ein Wandern von Kneipe zu Kneipe. Zur Zeit sind sie in dem Laden in der fünften Etage. Man müsse halt wissen wohin man geht und wo etwas los sei. Sie verabreden sich üblicherweise über Facebook.


Wir fahren hoch und landen in einem überfüllten wohnzimmergroßen Raum mit Bar, ein paar Stühlen, einer Mini Tanzfläche und einem DJ. Wir kommen mit einer Engländerin ins Gespräch, was allerdings bei der lauten Musik sinnlos ist und uns mal wieder klar macht, dass wir noch viel Englisch lernen müssen. Die Stimmung ist prima. Die Musik auch. Und auch das japanische Bier. Nach einer halben Stunde ist Aufbruch und wir ziehen mit. Die Kneipe verlassen wir so gut wie leer. Beim Herausgehen öffnen wir mal die Tür neben der Kneipe von gerade und wundern uns. Wir sind in einem recht dunklen Raum mit ein paar Sofas. 5 junge Japaner im Anzug mit sehr auffällig hochfrisierten und gefärbten Haaren gucken uns entgegen. Wir gehen direkt wieder raus und erfahren von einem der Englisch Lehrer, dass dies wohl ein Host-Club ist. Man bezahlt die Jungs und lädt sie zu Drinks ein. Dafür reden sie mit einem. Mehr wohl nicht. Japaner sind seltsam.


Zeit zum socialisen. Wir sind in einer Gruppe von ca. 50 Exil Englisch Lehrern. Bzw. gerade fertig studierten Englisch-Muttersprachlern, die nicht wissen wie es weitergeht und für ein paar Jahre eine coole Zeit in der weiten Welt haben wollen. Wir ärgern uns, dass wir sowas nicht gemacht haben und nicht Englisch-Muttersprachler sind. Mit Deutsch kommt man nur zu Goethe Instituten. Und das klingt nach Superlangeweilern statt diesen coolen Typen hier.


50 Leute – viele Nationalitäten. USA, Kanada, England, Irland, Australien, Jamaica, Süd-Korea. Taiwan. Und zwei Deutsche – das sind wir. Cool.


Die nächste Kneipe ist ebenerdig und wir hätten sie glatt selber finden können, wenn wir in der Straße vorbei gekommen wären. Diese Kneipe ist anscheinend von Ausländern für Ausländer gemacht. Und für Japanerinnen, die Ausländer kennenlernen wollen. Oder umgekehrt.


Der uns bislang unbekannte Organisator ringt um Aufmerksamkeit um das Startsignal für das Weiterziehen zu geben. Es gelingt ihm aber nicht ganz. Er stellt sich nochmal vor die Gruppe und ruft „I am a german Nazi and you have to do what i say.“. Wir sind verblüfft. Wir gehen zu ihm und sagen ihm, dass das mit den Nazis seit 60 Jahren vorbei ist. Er lacht. Meint, dass das nicht ernst gemeint war und dass er nur Gehör haben wollte. Es ist Ire. Iren haben wohl einen seltsamen Humor. Aber nett ist er trotzdem, wie sich in den nächsten Stunden rausstellt.


Wir ziehen weiter. Diesmal in eine dritte Etage. Es ist eine größere schöne Bar mit einem zweiten Raum, der eine größere Tanzfläche bietet, die von einem wirklich guten DJ befeuert wird. Der Laden war fast leer, nun ist er schlagartig voll. Er ist auch fast wieder leer als wir nach den geplanten 45 Minuten weiter hoppen zur nächsten Location. Hier muss man echt Insider sein, um Kneipen zu finden, in denen was los ist. Aber wenn man sie findet, dann kann man richtig feiern. Wir sind geflasht von Osaka und völlig begeistert. Japan ist ein Land, in dem wir beide uns gut vorstellen zu können 1-3 Jahre zu leben.


Eine sehr typische Wochenendveranstaltung für Japaner ist Karaoke. Nur wird hier ein privater Raum gebucht für die eigene Gruppe. Da Karaoke nur Spaß macht mit 100 Menschen drumherum und nach 10 Bier, also nicht in einer Gruppe aus 2 Deutschen, haben wir bisher drauf verzichtet.


Die nächste Location ist Endstation. Es ist das „Sam&Dave“, der Nightclub, in das wir ursprünglich wollten. Wir wären wohl gegen 23:00 Uhr hier aufgeschlagen und hätten uns über die Leere gewundert. Nun um 1:00 Uhr verdoppelt wir rund die Besucherzahl und haben Japaner um uns herum. Die Stimmung ist super, die Drinks auch. Eine wirklich klasse Party Nacht.


Irgendwann brechen wir auf, torkeln zur U-Bahn und stehen vor verschlossenen Türen. Um 4 Uhr fährt wohl keine U-Bahn mehr. Was richtig dumm ist, dass wir heute in Osaka angekommen sind und zum ersten Mal keine Visitenkarte vom Hotel mitgenommen haben. Diese sind die einzige Chance dem Taxifahrer klar zu machen, wohin man will. Das bloße Aussprechen von „Hotel Chung“ bringt gar nichts. Wir lassen uns zu der U-Bahn Station bringen, die ganz in der Nähe ist vom Hotel. Dummerweise besteht gerade diese Station eigentlich aus 3 Stationen für U-Bahnen und Züge, so dass es reichlich Ausgänge gibt. Der Taxifahrer versteht unsere Ratlosigkeit auch ohne Worte und wir fahren umher. Das konsumierte japanische Bier macht die Suche auch nicht gerade einfacher. Irgendwann kommt es uns bekannt vor und wir steigen aus. Wir liegen jedoch falsch. Mit einer großen Portion Glück stehen wir jedoch 100m weiter vor unserem Hotel.


Die Globalisierung ist eine tolle Sache. Durch sie ist es möglich sein inneres Gleichgewicht, das am Abend zuvor mit einer Überdosis japanischen Biers und Cocktails durcheinander gekommen ist, mit Kitkat und fettigem Cheeseburger bei McDonalds wieder in Balance zu bringen. So machen wir uns fit zum Endspurt-Shopping.


Shoppen ist das zweite, wofür Osaka berühmt ist. Die hippen Klamotten im Japanerformat sind allerdings zu klein für uns. Neue Kameras brauchen wir auch nicht. Beheizte, selbst aufklappende Klodeckel bei Näherkommen auch nicht, die über komplexe Pospülprogramme verfügen. Daher beschränkt sich unser Einkauf auf das, was wir wirklich brauchen. Zig Schälchen und Tellerchen. Alle außergewöhnlich, so wie wir sie beim Essen immer bewundert haben. Dieser Einkauf beschert uns das Rekord Gepäck für den Rückflug. Zusammen mit insgesamt 6 geschneiderten Anzügen für uns, einem Smoking für Frank und insgesamt 20 geschneiderten Hemden können wir die Kleidersäcke, Tüten, Rucksäcke und den Trolly kaum noch tragen.

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