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Highlight China: 5 Stunden Workout auf der chinesischen Mauer

China - bereist: Oktober 2009

Was muss der erste Europäer gedacht haben, als er die chinesische Mauer zum ersten Mal gesehen hat und nicht durch Reiseführer drauf vorbereitet war. Als er an ihr entlang gegangen ist und festgestellt hat, dass sie gar nicht mehr aufhört (Nein, es war nicht Marco Polo). Einen kleinen Eindruck davon haben wir heute erhalten – in Jinshangling mit einer wunderschönen 4-5 stündigen Wanderung auf der Mauer nach Simatai.

Sie hat die Weltrekorde das längste, schwerste und voluminöseste Bauwerk zu sein. Über 8500km lang (510km noch heute in guten Zustand und nicht zum Häuserbauen missbraucht oder zerfallen). 4-10m breit. 6-9m hoch.

Man kann sie entgegen einiger Erzählungen nicht vom Weltraum aus sehen und die chinesische Regierung musste die Schulbücher neu drucken lassen, als dies der erste chinesische Raumfahrer 2003 zugab. Man müsste sonst auch jede Autobahn  sehen können, denn sie sind breiter. Und mehr sieht man von oben nun mal nicht.

Noch am Parkplatz werden die üblichen Souvenirs verkauft. Und besonders praktische Dinge: Wanderstöcke. Mit jeweils 6 EUR kosten sie nicht nur ein Achtel von den kürzlich in Deutschland erworbenen (und sicherlich in China produzierten), sondern sie sind auch noch praktischer, wackeln weniger und haben einen besseren Griff. Sie stellen sich in den nächsten 5 Stunden als hervorragende Investition heraus.

Zum Start vertraut man sein Leben der chinesischen Drahtseinbahn-Ingenieurskunst an und fährt hinauf zur Mauer. Der erste Blick ist bombastisch. Entlang der Hügelkette schlängelt sich die Mauer von Gipfelchen zu Gipfelchen. Es ist recht diesig, so dass wir nur ein paar hundert Meter weit gucken können, aber das verschafft eine ziemlich mystische Atmosphäre.

Die Wanderung geht auf der Mauer entlang. Die Mauer, und damit der Weg auf ihr, ist hier 3-5m breit mit Mäuerchen an der Seite. Man merkt ihr die fast 500 Jahre an. Der Zahn der Zeit hat einige Steine aus den Stufen und Wegen herausgenagt. Man muss schon ganz gut aufpassen beim Kraxeln. Manche Treppen gehen ca. mit 80 Grad nach oben. Die meisten Stufen sind nicht für Schuhgröße 47 ausgelegt. Blöd ist, dass die Mauer nicht in der norddeutschen Tiefebene gebaut wurde, sondern auf einer Hügelkette. Damit geht es ständig Bergauf und Bergab. Bis nach Simatai sind es 32 Wachtürme – also 32 Gipfel. Die Türme stehen im Abstand von einigen hundert Metern. Schemenhaft können wir im Dunst maximal 5 Türmchen auf einmal erkennen.

Der hintere Abschnitt der Wanderung, der zu Simatai gehört, ist wesentlich besser saniert und ausgebaut. Nur hat er den Makel, dass man Straßen, Häuser und Strommasten im Blickwinkel von der Mauer hat. Dies stört den Gesamteindruck. Aber das ist nach einer anstrengenden 5 stündigen Wanderung dann nicht mehr so wichtig. Der erste Eindruck zählt – und der war in Jinshangling einfach toll.

Die Richtung der Wanderung war sorum ideal. Erst über verfallene Wege klettern, dann, wenn die Kräfte nachlassen, über die gut sanierte Mauer. Außerdem wäre der Anstieg in der Gegenrichtung am Anfang sehr anstrengend und zermürbend.

Alle paar Minuten wird man von Händlerinnen zum Postkarten, Bücher, T-Shirt oder Cola Kauf überredet. Eine Belgierin löst es clever: Einer Händlerin 2 Colas abkaufen und zwei Bauarbeitern geben. So waren alle happy.

Die Mauer ist einfach beeindruckend und die Wanderung auf ihr war einfach ein Highlight.

Highlight China: 5 Stunden Workout auf der chinesischen Mauer
Highlight China: 5 Stunden Workout auf der chinesischen Mauer
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