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Prospekt zur Egopolitur (Johannesburg)

Südafrika 2010 - bereist: November 2010

Im Hotel finde ich Prospekte, wie man sich die Zeit in Johannesburg vertreiben kann.

Eine davon fällt ins Auge: Hunting.
Er verspricht "Hunting at it’s best" mit Fotos von erfolgreichen glücklichen Jägern, die neben einem blutenden Büffel oder Elefanten liegen.
Es ist eine Farm, auf der man die Tiere nicht fotografiert oder streichelt, sondern abknallt.
Das Einsteigerpaket gibt es für 3000 EUR. Dafür darf man 2 Warzenschweine, 1 Impala und ein Dulker (eine Art Reh) töten.
Die große Egopolitur für 5600 EUR bringt einem noch ein Gnu, eine Oryx Antilope und ein Kudu dazu.
Dazu kommt die Preisliste der „Trophäen Gebühren“, für die einem der Tierschädel auch für die heimische Wand präpariert wird: ein Warzenschwein zählt mit 300 EUR zu den Schnäppchen, eine Giraffe bringt 2100 EUR, ein weiblicher Löwe 5500 EUR, ein männlicher Löwe 16.500 EUR.
Die wahren Männer killen Elefanten. 2 Wochen für 14.000 EUR. Ein abgeknalltes Elefantenleben kostet je nach Gewicht zwischen 10-20.000 EUR.
 
Was für eine Leistung: auf einer eingezäunten großen Farm, mit Profi-Begleitung, Präzisionswaffen und der Kenntnis über Verhaltensmuster der Tiere, ein Zebraleben auszulöschen. Mir wird erzählt, dass manche amerikanischen Supermänner so fett sind, dass sie gar nicht zu Fuß auf die Jagd gehen können. Auch ihnen wird geholfen. Per Jeep werden sie in Schußposition gefahren und nach Abdruck beglückwünscht für die riesen Leistung. Nichts gegen einen Jäger, der ein Tier schießt und es danach isst. Das ist ehrlicher als im Supermarkt abgepackten Schinken im Sonderangebot zu kaufen. Aber das hier ist doch armselig.
 
Kontrovers wird die Diskussion, weil dadruch eine Menge Geld ins Land fließt. Jedoch bleibt es sicherlich im Aktiendepot des Ranch-Besitzers hängen und kommt nicht bei der Bevölkerung an. Mit Sicherheit kann man bei dem Elefantenschießen in Zimbabwe davon ausgehen, dass sich Afrikas meist gehasster Diktator  Mugabe davon etwas hübsches kauft.
 
Mein Beitrag für eine bessere Welt ist es, den Stapel Hunting-Prospekte im Mülleimer zu entsorgen.

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Steffi 11/06/2010 23:17


Gut gemacht!